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Er wäre zu gerne bis zum Ende seines Lebens in seinen Träumen weiter gewandert. Einer der Mitarbeiter tippte Leon an und deutete ungeduldig auf die Uhrzeit. »Ich werde dich rächen, Rina«, flüsterte Leon bevor er sich auf den Weg nach Hause machte. In diesem Moment nahm ich endlich Leons hinterlistigen Zauber wahr, doch es war zu spät. Während das warme Wasser Leons Kopf in der Dusche massierte, hatte er wieder nur Rina im Kopf. Ich wusste, dass es so nicht weiter gehen konnte. Also versuchte ich ihm auch andere Bilder der Vergangenheit zu zeigen. Allerdings war sein Zauber zu mächtig und er konnte jedes Bild ohne Anstrengungen ignorieren. Als es an der Tür klopfte, kam er zurück zur Realität, auch wenn es nur seine Realität war. »Wie lange noch, Leon? Sonst pisse ich auf den Boden hier«, scherzte sein Mitbewohner Erwin, der von der Arbeit gekommen war. Erwin stürmte ins Badezimmer, sobald die Tür aufging. Mehr oder weniger urinierte er tatsächlich auf den Boden. Und wieder einmal durfte Leon danach sauber machen. Eigentlich hasste Leon seinen Mitbewohner. Vor allem seit Rinas Tod mied er ihn. Doch seit einigen Tagen löste sich der Hass magischer Weise auf. Ich verstand es zuerst nicht. Ohne die Augenbinde machte natürlich alles Sinn. Leon brachte seinem Kumpel eine Schüssel heiße Tomatensuppe zum Tisch. Erwin nahm Leons Wandel zunächst dankend an. Nichtsdestotrotz kam an diesem Abend Erwin mit einer wichtigen Information nachhause. »Danke, aber ich muss etwas mit dir besprechen, Leon«, sagte Erwin in einem ernsteren Ton. Und so setzte sich Leon auch mit einer Schüssel zu ihm. »Mir ist schon aufgefallen, dass du in letzter Zeit netter zu mir bist, Leon. Da wir uns jetzt so gut verstehen und ich heute früher Feierabend hatte, wollte ich dich von deiner Arbeit abholen kommen«, schilderte Erwin. Leon verstand direkt, worum es geht. Er wusste aber auch, dass er das nicht verstehen sollte. Nervös fing er an schneller zu essen. »Leon, verheimlichst du mir etwas?«, fragte Erwin. Leon antwortete nicht und blickte runter auf seine Suppe. »Ich bin nicht sauer auf dich. Ich wünschte nur, dass du mir früher die Wahrheit gesagt hättest. Wann wurdest du denn gekündigt?«, fragte Erwin. Leon fiel ein Stein vom Herzen. Erwin servierte selber die Lüge auf dem Silbertablett. Auch nach so vielen Jahren wagte er es nie zu bezweifeln, ob Leon tatsächlich dort arbeitete. Vor Erleichterung brach Leon in Tränen aus. Erwin legte seinen Arm um Leons Schulter. »Mensch! Das ist doch kein Weltuntergang!«, tröstete Erwin seinen Kumpel und glaubte es ginge nur um eine Kündigung. Es ging aber auch nicht um die Lügen gegenüber Erwin, sondern um die gegenüber Leon selber. Ich nutzte diese kleine Lücke in Leons Zauber sofort aus. Ich wusste, dass Erwin der Schlüssel war. Während die beiden anfingen über Leons Zukunft zu plaudern, malte ich immer wieder die Erinnerung nach, die die Sperre durchbrechen würde. Leon fasste sich an den Kopf. Es schmerzte. Sein Oberteil war durchnässt vom Schweiß. Er versuchte mit aller Mühe die Erinnerung anzukämpfen. Plötzlich haute er auf den Tisch, warf die Schüsseln um und schubste Erwin weg. Leons Schrei entflammte die dunkle Energie um ihn herum. Zitternd schaute Erwin von seinem in roter Tomatensoße ertränkten Hemd hinauf zu Leons tödlichen Augen. »Was...ist...los?«, brachte Erwin mühevoll über die Lippen. Ich hatte keine andere Wahl. Es war die einzige Möglichkeit. Am nächsten Morgen frühstückte Leon alleine. Er schaute kurz in Erwins Zimmer rein. Sein Kumpel schlief tief und fest. Leon glaubte, dass der Arme vermutlich wegen der Suppe nicht gescheit schlafen konnte. Irgendwas sei falsch mit ihr gewesen. Schließlich ging es ihm selber auch fürchterlich. Also marschierte er an diesem sonnigen Sommertag sofort zur naheliegenden Apotheke los. Auf dem Weg erwartete ihn jedoch eine Überraschung. Sie war die letzte Person, die er sehen wollte. Bevor er sie sah, konnte er sich nicht mal an sie erinnern. »Leon. Ich muss unbedingt mit dir reden!«, rief Tomiko. Leon drehte sich sofort um. Niemanden hasste Leon so sehr wie Rinas Schwester. Ständig versuchte sie das glückli che Liebespaar auseinander zu bringen. Sie war bestimmt neidisch. Rina war schöner in den Augen aller Männer, die Augen besaßen. Seit der Beerdigung hatte Leon Tomiko nicht mehr gesehen. »Du kannst mir nicht länger ausweichen!«, brüllte Tomiko. Leon lief weg als würden die Hexer des Lichts ihn verfolgen. »Ich weiß, dass du es warst...und wenn du nicht mit mir redest, dann rede ich mit der Polizei«, sagte Tomiko. Instinktiv blieb Leon stehen. Was soll er gewesen sein? Er verstand überhaupt nicht was sie meinte. Er hatte alle Puzzleteile in den Händen, doch er konnte das ganze Bild immer noch nicht sehen. Diesmal war ich mir nicht sicher, ob ich diese Möglichkeit ausnutzen sollte. Leon drehte sich langsam um. »Rina! Nein!«, schrie Leon erschrocken beim Anblick von Tomiko, die plötzlich von quälenden Flammen umgeben war und sich in kurzer Zeit in eine brennende Leiche verwandelte. Was ist geschehen? Er hörte das Lachen eines schadenfrohen Dämons. Hinter dem Schaufenster eines abgeschlossenen Ladens grinste ein alter Mann und lenkte amüsiert die Flammen um Tomikos Körper herum. Leon erkannte die blutroten Augen wieder. »Schön dich wiederzusehen, Leon«, sagte der Mörder von Rina. Wut entfesselte Leons Kräfte, die lange verborgen waren. Er hämmerte aufs Glas, während der alte Mann provozierend lachte und mit nur drei Schlägen zerschmetterte Leon das Schaufenster. Mit von Hass und Mordlust aufgeladener Faust sprang Leon in den Laden rein, um endlich seine Rina zu rächen. Doch er konnte den Mörder nicht mehr sehen. Wo war er bloß? Leon konnte immer noch das grässliche Lachen des alten Mannes hören. Und dann machte es Klick. Tatsächlich war der Mann mit den roten Augen nicht im Laden, sondern versteckte sich im Spiegelbild. »Das sollte doch für den großen Hexer der Flamme keine Herausforderung sein, nicht wahr?«, spottete er. Mit einem Zauber, der auch mir unbekannt war, gelang es Leon den blutrünstigen Mörder aus dem Spiegelbild herauszuziehen. Er zwang den Mann auf die Knie. Um nun endlich Rache schmecken zu dürfen, lud er seine Faust nochmal mit Flammen auf. Und als er auf diese Flammenfaust blickte, durchbrach das Bild, welches ich ihm gerade malte, die Sperre seines Zaubers endgültig. Verstummt setzt sich Leon auf den Boden und hört mir endlich zu. »Halt deine verfluchte Klappe!«, brüllt der alte Herr mich an. »Hör nicht auf diese Labertasche. Bring mich um, Leon!«, fordert er seine andere Hälfte auf. Doch Leon ist frei vom Zauber. Das blutige rot vermischt sich mit dem unschuldigen blau. Leon erinnert sich an die Wahrheit. Tomiko wollte schon immer Leon von Rinas Treulosigkeit überzeugen. Eines Tages hatte sie sogar Beweise dabei. Aber auch den Fotos wollte Leon nicht glauben. Er überprüfte die Sache auf eigene Hand. Er log, dass er eine Woche auf Geschäftsreise gehen musste und verwandelte sich in dieser Zeit in einen Schatten. Leon fing an Rina zu verfolgen. Er fühlte sich dabei sehr schlecht, da er Rina vertraute. Doch bereits am ersten Tag sah er den Mistkerl mit ihr. Er verfolgte die beiden vom Park bis ins Zimmer von Rina. Ich hatte Angst. Ich war von dunkler Energie um hüllt als Leon zusehen musste wie Rinas Körper sich unter der Dusche an Erwins Körper wälzte und dieses Tier ihre Lippen verschlang. Er verstand gar nichts mehr. War alles eine Lüge? Auch ich weiß bis heute nicht die Antwort auf diese Frage. Trotzdem wand Leon den Blick bis zum Ende nicht ab. Mit jedem Stoß baute sich immer mehr Hass um mich herum auf und mit aller Kraft verteidigte ich Rinas Zimmer in mir. Allerdings nahm die dunkle Energie langsam die Form von Flammen an. Ich war zu schwach. Erwin hatte Glück gehabt. Genau nachdem er sich mit einem Kuss von ihr verabschiedet hatte, brannte Rinas Zimmer in mir ab. Leon verwandelte sich zurück. »Und ich dachte, ich wäre das Arschloch gewesen«, murmelte Leon vor sich hin und erschrak Rina. »Leon? Wie bist du ’reingekommen?«, stotterte sie bevor Leon mit seiner Flammenfaust auf sie einprügelte. Ich konnte ihn auch nicht mehr davon abhalten. Er hörte nicht auf bis sie so sehr brannte wie ich. Ich wagte es zu sterben und Leon herzlos alleine zu lassen. Ich drückte die übrig gebliebene Liebe für Rina zu mir und ich ließ nicht los. Sie hat Leon betrogen. Sie hat mich betrogen. Doch für mich änderte das nichts an der Liebe, die sie uns schenkte, als wir sie am meisten gebraucht haben. Rache wird niemals die Flammen sättigen. Irgendwann als Leon sich einen Moment nahm, um den Anblick der brennenden Leiche zu genießen, erinnerte er sich an seine eigenen Fehler vor vielen Jahren. Er sah sich über den Menschen. Rina war die erste Person, die Leons Liebe gegenüber Menschen erweckt hatte. Und nun fing das Morden wieder an. Obwohl er sie so sehr liebte...nein, gerade weil er sie so sehr liebte, gab er ihr keine Chance. Es tut mir leid, Leon. Vielleicht war alles mein Fehler. Ich malte dir die schönsten Erinnerungen von Rina noch schöner als sie eigentlich waren. Ich konnte nicht zulassen, dass die bittere Wahrheit die Überhand gewinnt und deine Rage weitere Opfer hervorbringt. Es hat uns beide geheilt. Aber du hast das Glück für die Zukunft aufgegeben und hast nach dem Glück der Vergangenheit gestrebt. Deswegen hast du selber mit einem verbotenen Zauber deinen Schmerz und deine Schuld von dir abgespalten. Du wolltest als Leon mit den leuchtend blauen Augen den Leon mit den blutig roten Augen vernichten und mit einem guten Gewissen sterben. In Wirklichkeit hast du nur dich selber betrogen, da ein Teil von dir jahrelang mit dem Schmerz alleine weiter leben musste und auf den Gnadenstoß wartete. Ich spüre die Hoffnungslosigkeit in dir, doch ich habe unser Glück noch nicht aufgegeben. Die Hexer des Lichts treffen noch vor der Polizei ein. Auf uns wartet der Entzug aller magischen Kräfte. Wir müssten hart dafür kämpfen jemals wieder die Welt außerhalb der Gitter zu sehen. Leon kennt viele Wege schmerzlos in den ewigen Schlaf zu fallen. Der Hass gegen alles auf dieser Welt strömt durch seine Hand. Ein letztes Mal male ich ihm die Erinnerungen von Rina. Diesmal sind es die echten Erinnerungen. Diesmal sind es alle Erinnerungen. Leon lächelt. In diesem Moment wünschen wir uns beide für jedes Lebewesen dieses wundervolle Glück. Wie viel Schmerz müssen wir ertragen, um dieses Glück zu finden? Es ist vielleicht ein hoffnungsloser Weg. Aber Leon vertraut mir. Er vertraut seinem Herz. </p> + <p class="story-text"> Es war an einem kalten Winterabend als mein alter Freund mit den leuchtend blauen Augen das letzte Mal das Grab seiner Geliebten mit Tränen begoss. Sein Herz war abgebrannt. Es war kalt und unbewohnbar. Dennoch blieb es das Zuhause von Rina. Leon und ich wollten sie niemals gehen lassen. Zumindest dachte ich, dass wir einer Meinung waren. Nach ihrem grauenvollen Tod war Leon in Trauer und Wut gefangen. Ich fing an, ihn durch die schönsten Erinnerungen seiner Liebsten zu begleiten. Nächte, an denen sie nur sich gegenseitig hatten, heilten seine Wunden. Er wäre zu gerne bis zum Ende seines Lebens in seinen Träumen weiter gewandert. Einer der Mitarbeiter tippte Leon an und deutete ungeduldig auf die Uhrzeit.<br>»Ich werde dich rächen, Rina«, flüsterte Leon bevor er sich auf den Weg nach Hause machte. In diesem Moment nahm ich endlich Leons hinterlistigen Zauber wahr, doch es war zu spät. Während das warme Wasser Leons Kopf in der Dusche massierte, hatte er wieder nur Rina im Kopf. Ich wusste, dass es so nicht weiter gehen konnte. Also versuchte ich ihm auch andere Bilder der Vergangenheit zu zeigen. Allerdings war sein Zauber zu mächtig und er konnte jedes Bild ohne Anstrengungen ignorieren. Als es an der Tür klopfte, kam er zurück zur Realität, auch wenn es nur seine Realität war. »Wie lange noch, Leon? Sonst pisse ich auf den Boden hier«, scherzte sein Mitbewohner Erwin, der von der Arbeit gekommen war. Erwin stürmte ins Badezimmer, sobald die Tür aufging. Mehr oder weniger urinierte er tatsächlich auf den Boden. Und wieder einmal durfte Leon danach sauber machen. Eigentlich hasste Leon seinen Mitbewohner. Vor allem seit Rinas Tod mied er ihn. Doch seit einigen Tagen löste sich der Hass magischer Weise auf. Ich verstand es zuerst nicht. Ohne die Augenbinde machte natürlich alles Sinn. Leon brachte seinem Kumpel eine Schüssel heiße Tomatensuppe zum Tisch. Erwin nahm Leons Wandel zunächst dankend an. Nichtsdestotrotz kam an diesem Abend Erwin mit einer wichtigen Information nachhause.<br>»Danke, aber ich muss etwas mit dir besprechen, Leon«, sagte Erwin in einem ernsteren Ton. Und so setzte sich Leon auch mit einer Schüssel zu ihm.<br>»Mir ist schon aufgefallen, dass du in letzter Zeit netter zu mir bist, Leon. Da wir uns jetzt so gut verstehen und ich heute früher Feierabend hatte, wollte ich dich von deiner Arbeit abholen kommen«, schilderte Erwin. Leon verstand direkt, worum es geht. Er wusste aber auch, dass er das nicht verstehen sollte. Nervös fing er an schneller zu essen.<br>»Leon, verheimlichst du mir etwas?«, fragte Erwin. Leon antwortete nicht und blickte runter auf seine Suppe.<br>»Ich bin nicht sauer auf dich. Ich wünschte nur, dass du mir früher die Wahrheit gesagt hättest. Wann wurdest du denn gekündigt?«, fragte Erwin. Leon fiel ein Stein vom Herzen. Erwin servierte selber die Lüge auf dem Silber tablett. Auch nach so vielen Jahren wagte er es nie zu bezweifeln, ob Leon tatsächlich dort arbeitete. Vor Erleichterung brach Leon in Tränen aus. Erwin legte seinen Arm um Leons Schulter.<br>»Mensch! Das ist doch kein Weltuntergang!«, tröstete Erwin seinen Kumpel und glaubte es ginge nur um eine Kündigung. Es ging aber auch nicht um die Lügen gegenüber Erwin, sondern um die gegenüber Leon selber. Ich nutzte diese kleine Lücke in Leons Zauber sofort aus. Ich wusste, dass Erwin der Schlüssel war. Während die beiden anfingen über Leons Zukunft zu plaudern, malte ich immer wieder die Erinnerung nach, die die Sperre durchbrechen würde. Leon fasste sich an den Kopf. Es schmerzte. Sein Oberteil war durchnässt vom Schweiß. Er versuchte mit aller Mühe die Erinnerung anzukämpfen. Plötzlich haute er auf den Tisch, warf die Schüsseln um und schubste Erwin weg. Leons Schrei entflammte die dunkle Energie um ihn herum. Zitternd schaute Erwin von seinem in roter Tomatensoße ertränkten Hemd hinauf zu Leons tödlichen Augen.<br>»Was...ist...los?«, brachte Erwin mühevoll über die Lip pen. Ich hatte keine andere Wahl. Es war die einzige Möglichkeit. Am nächsten Morgen frühstückte Leon alleine. Er schaute kurz in Erwins Zimmer rein. Sein Kumpel schlief tief und fest. Leon glaubte, dass der Arme vermutlich wegen der Suppe nicht gescheit schlafen konnte. Irgendwas sei falsch mit ihr gewesen. Schließlich ging es ihm selber auch fürchterlich. Also marschierte er an diesem sonnigen Sommertag sofort zur naheliegenden Apotheke los. Auf dem Weg erwartete ihn jedoch eine Überraschung. Sie war die letzte Person, die er sehen wollte. Bevor er sie sah, konnte er sich nicht mal an sie erinnern.<br>»Leon. Ich muss unbedingt mit dir reden!«, rief Tomiko. Leon drehte sich sofort um. Niemanden hasste Leon so sehr wie Rinas Schwester. Ständig versuchte sie das glückliche Liebespaar auseinander zu bringen. Sie war bestimmt neidisch. Rina war schöner in den Augen aller Männer, die Augen besaßen. Seit der Beerdigung hatte Leon Tomiko nicht mehr gesehen.<br>»Du kannst mir nicht länger ausweichen!«, brüllte Tomiko. Leon lief weg als würden die Hexer des Lichts ihn verfolgen.<br>»Ich weiß, dass du es warst...und wenn du nicht mit mir redest, dann rede ich mit der Polizei«, sagte Tomiko. Instinktiv blieb Leon stehen. Was soll er gewesen sein? Er verstand überhaupt nicht was sie meinte. Er hatte alle Puzzleteile in den Händen, doch er konnte das ganze Bild immer noch nicht sehen. Diesmal war ich mir nicht sicher, ob ich diese Möglichkeit ausnutzen sollte. Leon drehte sich langsam um. »Rina! Nein!«, schrie Leon erschrocken beim Anblick von Tomiko, die plötzlich von quälenden Flammen umgeben war und sich in kurzer Zeit in eine brennende Leiche verwandelte. Was ist geschehen? Er hörte das Lachen eines schadenfrohen Dämons. Hinter dem Schaufenster eines ab geschlossenen Ladens grinste ein alter Mann und lenkte amüsiert die Flammen um Tomikos Körper herum. Leon erkannte die blutroten Augen wieder.<br>»Schön dich wiederzusehen, Leon«, sagte der Mörder von Rina. Wut entfesselte Leons Kräfte, die lange verborgen waren. Er hämmerte aufs Glas, während der alte Mann provozierend lachte und mit nur drei Schlägen zerschmetterte Leon das Schaufenster. Mit von Hass und Mordlust aufgeladener Faust sprang Leon in den Laden rein, um endlich seine Rina zu rächen. Doch er konnte den Mörder nicht mehr sehen. Wo war er bloß? Leon konnte immer noch das grässliche Lachen des alten Mannes hören. Und dann machte es Klick. Tatsächlich war der Mann mit den roten Augen nicht im Laden, sondern versteckte sich im Spiegelbild.<br>»Das sollte doch für den großen Hexer der Flamme keine Herausforderung sein, nicht wahr?«, spottete er. Mit einem Zauber, der auch mir unbekannt war, gelang es Leon den blutrünstigen Mörder aus dem Spiegelbild herauszuziehen. Er zwang den Mann auf die Knie. Um nun endlich Rache schmecken zu dürfen, lud er seine Faust nochmal mit Flammen auf. Und als er auf diese Flammenfaust blickte, durchbrach das Bild, welches ich ihm gerade malte, die Sperre seines Zaubers endgültig. Verstummt setzt sich Leon auf den Boden und hört mir endlich zu.<br>»Halt deine verfluchte Klappe!«, brüllt der alte Herr mich an.<br>»Hör nicht auf diese Labertasche. Bring mich um, Leon!«, fordert er seine andere Hälfte auf. Doch Leon ist frei vom Zauber. Das blutige rot vermischt sich mit dem unschuldigen blau. Leon erinnert sich an die Wahrheit. Tomiko wollte schon immer Leon von Rinas Treulosigkeit überzeugen. Eines Tages hatte sie sogar Beweise dabei. Aber auch den Fotos wollte Leon nicht glauben. Er überprüfte die Sache auf eigene Hand. Er log, dass er eine Woche auf Geschäftsreise gehen musste und verwandelte sich in dieser Zeit in einen Schatten. Leon fing an Rina zu verfolgen. Er fühlte sich dabei sehr schlecht, da er Rina vertraute. Doch bereits am ersten Tag sah er den Mistkerl mit ihr. Er verfolgte die beiden vom Park bis ins Zimmer von Rina. Ich hatte Angst. Ich war von dunkler Energie umhüllt als Leon zusehen musste wie Rinas Körper sich unter der Dusche an Erwins Körper wälzte und dieses Tier ihre Lippen verschlang. Er verstand gar nichts mehr. War alles eine Lüge? Auch ich weiß bis heute nicht die Antwort auf diese Frage. Trotzdem wand Leon den Blick bis zum Ende nicht ab. Mit jedem Stoß baute sich immer mehr Hass um mich herum auf und mit aller Kraft verteidigte ich Rinas Zimmer in mir. Allerdings nahm die dunkle Energie langsam die Form von Flammen an. Ich war zu schwach. Erwin hatte Glück gehabt. Genau nachdem er sich mit einem Kuss von ihr verabschiedet hatte, brannte Rinas Zimmer in mir ab. Leon verwandelte sich zurück.<br>»Und ich dachte, ich wäre das Arschloch gewesen«, murmelte Leon vor sich hin und erschrak Rina.<br>»Leon? Wie bist du ’reingekommen?«, stotterte sie bevor Leon mit seiner Flammenfaust auf sie einprügelte. Ich konnte ihn auch nicht mehr davon abhalten. Er hörte nicht auf bis sie so sehr brannte wie ich. Ich wagte es zu sterben und Leon herzlos alleine zu lassen. Ich drückte die übrig gebliebene Liebe für Rina zu mir und ich ließ nicht los. Sie hat Leon betrogen. Sie hat mich betrogen. Doch für mich änderte das nichts an der Liebe, die sie uns schenkte, als wir sie am meisten gebraucht haben. Rache wird niemals die Flammen sättigen. Irgendwann als Leon sich einen Moment nahm, um den Anblick der brennenden Lei che zu genießen, erinnerte er sich an seine eigenen Fehler vor vielen Jahren. Er sah sich über den Menschen. Rina war die erste Person, die Leons Liebe gegenüber Menschen erweckt hatte. Und nun fing das Morden wieder an. Obwohl er sie so sehr liebte...nein, gerade weil er sie so sehr liebte, gab er ihr keine Chance. Es tut mir leid, Leon. Vielleicht war alles mein Fehler. Ich malte dir die schönsten Erinnerungen von Rina noch schöner als sie eigentlich waren. Ich konnte nicht zulassen, dass die bittere Wahrheit die Überhand gewinnt und deine Rage weitere Opfer hervorbringt. Es hat uns beide geheilt. Aber du hast das Glück für die Zukunft aufgegeben und hast nach dem Glück der Vergangenheit gestrebt. Deswegen hast du selber mit einem verbotenen Zauber deinen Schmerz und deine Schuld von dir abgespalten. Du wolltest als Leon mit den leuchtend blauen Augen den Leon mit den blutig roten Augen vernichten und mit einem guten Gewissen sterben. In Wirklichkeit hast du nur dich selber betrogen, da ein Teil von dir jahrelang mit dem Schmerz alleine weiter leben musste und auf den Gnadenstoß wartete. Ich spüre die Hoffnungslosigkeit in dir, doch ich habe unser Glück noch nicht aufgegeben. Die Hexer des Lichts treffen noch vor der Polizei ein. Auf uns wartet der Entzug aller magischen Kräfte. Wir müssten hart dafür kämpfen jemals wieder die Welt außerhalb der Gitter zu sehen. Leon kennt viele Wege schmerzlos in den ewigen Schlaf zu fallen. Der Hass gegen alles auf dieser Welt strömt durch seine Hand. Ein letztes Mal male ich ihm die Erinnerungen von Rina. Diesmal sind es die echten Erinnerungen. Diesmal sind es alle Erinnerungen. Leon lächelt. In diesem Moment wünschen wir uns beide für jedes Lebewesen dieses wundervolle Glück. Wie viel Schmerz müssen wir ertragen, um dieses Glück zu finden? Es ist vielleicht ein hoffnungsloser Weg. Aber Leon vertraut mir. Er vertraut seinem Herz.</p> </main> </main> |
