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Sein Herz war abgebrannt. Es war kalt und unbewohnbar. -Dennoch blieb es das Zuhause von Rina. Leon und ich wollten sie niemals -gehen lassen. Zumindest dachte ich, dass wir einer Meinung waren. Nach -ihrem grauenvollen Tod war Leon in Trauer und Wut gefangen. Ich fing an, -ihn durch die schönsten Erinnerungen seiner Liebsten zu begleiten. -Nächte, an denen sie nur sich gegenseitig hatten, heilten seine Wunden. -Er wäre zu gerne bis zum Ende seines Lebens in seinen Träumen weiter -gewandert. Einer der Mitarbeiter tippte Leon an und deutete ungeduldig -auf die Uhrzeit.<br /> -»Ich werde dich rächen, Rina«, flüsterte Leon bevor er sich auf den Weg -nach Hause machte. In diesem Moment, als ich mir ein Bild des uns beiden -bekannten Mörders machte, nahm ich endlich Leons hinterlistigen Zauber -wahr, doch es war zu spät.</p> -<p>Während das warme Wasser Leons Kopf in der Dusche massierte, hatte er -wieder nur Rina im Kopf. Ich wusste, dass es so nicht weiter gehen -konnte. Also versuchte ich ihm auch andere Bilder der Vergangenheit zu -zeigen. Allerdings war sein Zauber zu mächtig und er konnte jedes Bild -ohne Anstrengungen abwehren. Als es an der Tür klopfte, kam er zurück -zur Realität, auch wenn es nur seine Realität war.<br /> -»Wie lange noch, Leon? Sonst pisse ich auf den Boden hier«, scherzte -sein Mitbewohner Erwin, der von der Arbeit gekommen war.</p> -<p>Erwin stürmte ins Badezimmer, sobald die Tür aufging. Mehr oder -weniger urinierte er tatsächlich auf den Boden. Und wieder einmal durfte -Leon danach sauber machen. Eigentlich hasste Leon seinen Mitbewohner. -Vor allem seit Rinas Tod mied er ihn. Doch seit einigen Tagen löste sich -der Hass auf magischer Weise auf. Ich verstand es zuerst nicht. Ohne die -Augenbinde macht natürlich alles Sinn. Leon brachte seinem Kumpel eine -Schüssel heiße Tomatensuppe zum Tisch. Erwin nahm Leons Wandel zunächst -dankend an. Nichtsdestotrotz kam an diesem Abend Erwin mit schlechten -Neuigkeiten nachhause.<br /> -»Danke, aber ich muss etwas mit dir besprechen, Leon«, sagte Erwin in -einem ernsteren Ton. Und so setzte sich Leon auch mit einer Schüssel zu -ihm.<br /> -»Ich komme gleich zur Sache. Da wir uns in letzter Zeit besser verstehen -und ich heute früher Feierabend hatte, wollte ich dich von deiner Arbeit -abholen kommen«, schilderte Erwin. Leon verstand direkt, worum es geht. -Er wusste aber auch, dass er das nicht verstehen sollte. Nervös fing er -an schneller zu essen mit gesenkten Blick.<br /> -»Ich bin nicht sauer auf dich. Ich wünschte nur, dass du mir früher die -Wahrheit gesagt hättest. Wann wurdest du denn gekündigt?«, fragte Erwin. -Leon fiel ein Stein vom Herzen. Erwin servierte selber die Lüge auf dem -Silbertablett. Auch nach so vielen Jahren wagte er es nie zu bezweifeln, -ob Leon tatsächlich dort arbeitete. Vor Erleichterung brach Leon in -Tränen aus. Erwin legte seinen Arm um Leons Schulter.<br /> -»Mensch! Das ist doch kein Weltuntergang!«, tröstete Erwin seinen Kumpel -und glaubte es ginge nur um eine Kündigung. Es ging aber auch nicht um -die Lügen gegenüber Erwin, sondern um die gegenüber Leon selber. Die -Gegenwart Erwins war die kleine Lücke in Leons Zauber, die ich sofort -ausnutzen wollte, ohne groß nachzudenken. Während die beiden anfingen -über Leons Zukunft zu plaudern, malte ich immer wieder den Kuss nach, -der die Sperre durchbrechen würde. Leon fasste sich an den Kopf. Es -schmerzte. Sein Oberteil war durchnässt vom Schweiß. Er versuchte mit -aller Mühe die Erinnerung anzukämpfen. Plötzlich haute er auf den Tisch, -warf die Schüsseln um und schubste Erwin weg. Leons Schrei entflammte -die dunkle Energie um ihn herum. Zitternd schaute Erwin von seinem in -roter Tomatensoße ertränkten Hemd hinauf zu Leons tödlichen Augen. Ich -sah keine andere Optionen und hielt es für die einzige Möglichkeit, doch -letztendlich vollendete ich die Spaltung.</p> -<p>Nach einem langen Schlaf frühstückte Leon morgens alleine. Er schaute -kurz in Erwins Zimmer rein. Sein Kumpel schlief tief und fest. Leon -glaubte, dass der Arme vermutlich wegen der Suppe nicht gescheit -schlafen konnte. Irgendwas sei falsch mit ihr gewesen. Schließlich ging -es ihm selber auch fürchterlich. Also marschierte er an diesem sonnigen -Sommertag sofort zur naheliegenden Apotheke los.</p> -<p>Auf dem Weg erwartete ihn jedoch eine Überraschung. Sie war die -letzte Person, die er sehen wollte. Bevor er sie sah, konnte er sich -nicht mal an sie erinnern.<br /> -»Leon. Ich muss unbedingt mit dir reden!«, rief Tomiko. Leon drehte sich -sofort um. Niemanden hasste Leon so sehr wie Rinas Schwester. Ständig -versuchte sie das glückliche Liebespaar auseinander zu bringen. Sie war -bestimmt neidisch. Rina war schöner in den Augen aller Männer, die Augen -besaßen. Seit der Beerdigung hatte Leon Tomiko nicht mehr gesehen.<br /> -»Du kannst mir nicht länger ausweichen!«, brüllte Tomiko. Leon lief weg -als würden die Hexer des Lichts ihn verfolgen.<br /> -»Ich weiß, dass du es warst…und wenn du nicht mit mir redest, dann rede -ich mit der Polizei«, sagte Tomiko. Instinktiv blieb Leon stehen. Was -soll er gewesen sein? Er verstand überhaupt nicht, was sie meinte. Er -hatte das fertige Puzzle vor sich, doch er konnte das ganze Bild immer -noch nicht erkennen. Es fehlten ihm weitere Bilder für den Kontext. Nach -meinem großen Fehler, war ich mir nicht sicher, ob ich diese Möglichkeit -ausnutzen sollte. Leon drehte sich langsam um.<br /> -»Rina! Nein!«, schrie Leon erschrocken beim Anblick von Tomiko, die -plötzlich von quälenden Flammen umgeben war und nach wenigen -Millisekunden als ein paar Milligram Asche dem Wind folgte. Was ist -geschehen? Er hörte das Lachen eines schadenfrohen Dämons. Hinter dem -Schaufenster eines abgeschlossenen Ladens grinste ein alter Mann und -spielte amüsiert mit seinen Flammen. Leon erkannte die blutroten Augen -wieder.<br /> -»Schön dich wiederzusehen, Leon«, sagte der Mörder von Rina. Wut -entfesselte Leons Kräfte, die lange verborgen waren. Er hämmerte aufs -Glas, während der alte Mann provozierend lachte und mit nur drei -Schlägen zerschmetterte Leon das Schaufenster, woraufhin die verlorenen -Erinnerungen, die sich ihm annäherten, wieder einen Schritt zurück -machten. Mit von Hass und Mordlust aufgeladener Faust sprang Leon in den -Laden rein, um endlich seine Rina zu rächen. Doch der Mörder war nicht -mehr im Blickwinkel. Leon konnte immer noch das grässliche Lachen des -alten Mannes hören. Und dann machte es Klick. Tatsächlich war der Mann -mit den roten Augen nicht im Laden, sondern versteckte sich im -Spiegelbild.<br /> -»Das sollte doch für den großen Hexer der Flamme keine Herausforderung -sein, nicht wahr?«, spottete er. Tatsächlich gelang es Leon den -blutrünstigen Mörder aus dem Spiegelbild herauszuziehen. Er zwang den -Mann auf die Knie. Um nun endlich Rache schmecken zu dürfen, lud er -seine Faust nochmal mit Flammen auf. Und als er auf diese Flammenfaust -blickte, durchbrach das Bild, welches ich ihm gerade malte, die Sperre -seines Zaubers endgültig. Verstummt setzt sich Leon auf den Boden und -hört mir endlich zu.<br /> -»Halt deine verfluchte Klappe!«, brüllt der alte Herr mich an.<br /> -»Hör nicht auf diese Labertasche. Bring mich um, Leon!«, fordert er -seine andere Hälfte auf. Doch Leon ist frei vom Zauber. Das blutige rot -vermischt sich mit dem unschuldigen blau. Leon erinnert sich an die -Wahrheit.</p> -<p>Tomiko wollte schon immer Leon von Rinas Treulosigkeit überzeugen. -Eines Tages hatte sie sogar Beweise dabei. Aber auch den Fotos wollte -Leon nicht glauben. Er überprüfte die Sache auf eigene Hand. Er log, -dass er eine Woche auf Geschäftsreise gehen musste und verwandelte sich -in dieser Zeit in seine natürliche Gestalt. Als der winzige Feuerdrache -fing Leon an Rina zu verfolgen. Er fühlte sich dabei sehr schlecht, da -er Rina vertraute. Doch bereits am ersten Tag sah er den Mistkerl mit -ihr. Er verfolgte die beiden vom Park bis ins Zimmer von Rina. Ich hatte -Angst. Ich war von dunkler Energie umhüllt als Leon zusehen musste wie -Rinas Körper sich unter der Dusche an Erwins Körper wälzte und dieses -Tier ihre Lippen verschlang. Er verstand gar nichts mehr. War alles eine -Lüge? Auch ich weiß bis heute nicht die Antwort auf diese Frage. -Trotzdem wand Leon den Blick bis zum Ende nicht ab. Mit jedem Stoß baute -sich immer mehr Hass um mich herum auf und mit aller Kraft verteidigte -ich Rinas Zimmer in mir. Allerdings nahm die dunkle Energie langsam die -Form von Flammen an. Ich war zu schwach. Erwin hatte Glück gehabt. Genau -nachdem er sich mit einem Kuss von ihr verabschiedet hatte, brannte -Rinas Zimmer in mir ab. Leon verwandelte sich zurück.<br /> -»Und ich dachte, ich wäre das Arschloch gewesen«, murmelte Leon vor sich -hin und erschrak Rina.<br /> -»Leon? Was machst du hier?«, stotterte sie bevor Leon mit seiner -Flammenfaust auf sie einprügelte. Ich konnte ihn auch nicht mehr davon -abhalten. Er hörte nicht auf bis ihr die Hitze nicht mehr schmerzte. Ich -wagte es mit ihr zu sterben und Leon herzlos alleine zu lassen. Ich -drückte die übrig gebliebene Liebe für Rina zu mir und ich ließ nicht -los, denn auch ihr Betrug verleugnete nicht ihren positiven Einfluss auf -das Leben eines vorher brandgefährlichen Terroristen. Als Leon sich -temporär gesättigt einen Moment nahm, den Anblick der brennenden Leiche -zu genießen, konnte er nur noch weinen.</p> -<p>Es tut mir leid, Leon. Vielleicht war alles mein Fehler. Verblendet -von meinem eigenen Schmerz, malte ich dir ständig die schönsten -Erinnerungen von Rina. Ich konnte nicht zulassen, dass die bittere -Wahrheit die Überhand gewinnt und deine Rage weitere Opfer hervorbringt. -Es hat uns beide geheilt. Aber du wolltest für immer in diesem Paradies -weiter leben. Deswegen hast du selber mit einem verbotenen Zauber deinen -Schmerz und deine Schuld von dir abgespalten. Du wolltest als Leon mit -den leuchtend blauen Augen den Leon mit den blutig roten Augen -vernichten und mit einem guten Gewissen sterben. In Wirklichkeit hast du -nur dich selber betrogen, da ein Teil von dir jahrelang mit dem Schmerz -alleine weiter leben musste und auf den Gnadenstoß wartete.</p> -<p>Mit dem Zerfall des Zaubers ist Leon für die Hexer des Lichts wieder -sichtbar geworden. Sie treffen noch vor der Polizei ein. Hinter Gitter -wird er ohne seine magischen Kräfte verrotten. Einerseits ist sein Plan -gescheitert. Andererseits konnte der Schaden nicht verhindert werden. -Leon und ich, sein Herz, haben beide verloren.</p> -</div> - - </main> - <footer> - Vithuran Vishnuthas © 2022 - 2023 - </footer> - - -</body> - -</html> |
