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diff --git a/docs/stories.html b/docs/stories.html index f724dd3..db52234 100644 --- a/docs/stories.html +++ b/docs/stories.html @@ -39,6 +39,18 @@ Despite my linguistic difficulties to express myself, my love for story telling </div> <div class="works"> + <a href="./stories/wege_zum_tod.html" class="work-card card"> + <div class="title-and-description"> + <h3>Wege zum Tod</h3> + <p>Drei Lebewesen begegnen auf verschiedenen Wegen dem Tod.</p> + </div> + <div class="info"> + <span>13 Pages</span> + <span class="story-language">German</span> + <span>Last Update: 2023-05-21</span> + </div> + </a> + <a href="./stories/das_schweigende_spiegelbild.html" class="work-card card"> <div class="title-and-description"> <h3>Das schweigende Spiegelbild</h3> diff --git a/docs/stories/wege_zum_tod.html b/docs/stories/wege_zum_tod.html new file mode 100644 index 0000000..2349896 --- /dev/null +++ b/docs/stories/wege_zum_tod.html @@ -0,0 +1,351 @@ +<!DOCTYPE html> +<html lang="en"> + +<head> + <title>Wege zum Tod - Vithuran Vishnuthas</title> + <meta charset="UTF-8"> + <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1"> + <link rel="stylesheet" href="/style.css"> + <link rel="icon" href="data:,"> +</head> + +<body> + <header> + <u><a href="/index.html"><h1>Writer V2</h1></a></u> + Vithuran Vishnuthas + </header> + <nav> + <a href="/index.html">Home</a> + <a href="/stories.html">Stories</a> + </nav> + <main> + + <h2>Wege zum Tod</h2> + <a class="download-button" href="wege_zum_tod.pdf" download>Download PDF</a> + <div class="story-text"><p>Am farbenfrohen Morgen ihres letzten Tages saß die siebzehnjährige +Hana im Blickwinkel der selbstbewussten Sonne am Isarufer in einem roten +Ballkleid. Ihre kurzen schwarzen Haare tanzten zum angenehmen Gesang des +Windes mit. Weder die zwei Möwen neben ihr, die weggeworfene Tüten nach +Essen absuchten, noch die laute Schlagermusik oben auf der +Reichenbachbrücke, weckten sie beim Tagträumen auf. In ihren chaotischen +Gedanken suchte sie nach einer Antwort auf die Frage, die in ihrem +Gehirn eingenistet war. Auf ihrem leicht geschminkten Gesicht vermehrten +sich die Fragezeichen bis kein Platz mehr übrig war und ihre natürliche +Röte das Rouge übertönte. Die Isar kicherte vergnügt.<br /> +»Du siehst ja heute wunderschön aus. Gibt es einen speziellen Anlass?«, +fragte sie. Der Fluss, der das Leben der Münchener hin und auswendig +kennt, hat für Hana einen besonderen Platz im Herzen.<br /> +»Ich frage mich selber die ganze Zeit warum ich es heute angezogen +habe«, beklagte Hana und fasste sich an den Kopf.<br /> +»Hast du mal die Entscheidung nachgespielt?«, fragte die Isar. Die Sonne +musste lachen beim Anblick des verwirrten Blicks, der als eine Antwort +reichte. Gerade diese naive Leichtigkeit des Mädchens lösten beim +täglichen Quatschen die ältesten Probleme der Isar auf, wenn auch nur +für den Moment.<br /> +»Du könntest dich wieder vor deinen Kleiderschrank stellen, sodass du +die möglichen Einflüsse nochmal wahrnehmen kannst«, erklärte die Isar +ausführlicher. Konzentriert schaute Hana in die Ferne und verarbeitete +die Worte des Flusses bis sie vor Freude aufsprang und damit die Möwen +verscheuchte.<br /> +»Das ist eine geniale Idee …Mit dem Kleiderschrank von Papa funktioniert +das auch, oder?«, fragte sie zögerlich. Der große Stern am Himmel lachte +das Kind weiter aus.<br /> +»Wenn da das Kleid drinnen war, ja«, antworte die Isar geduldig. Sofort +machte sich Hana auf den Weg nachhause.</p> +<p>Im Gegensatz zu Hana, wusste Edgar bereits, dass es sein letzter Tag +sein wird. Niemand prophezeite ihm diese Wahrheit. Es war ihm grundlos +selbstverständlich. Der Mann, der normalerweise jeden Morgen gepflegt +und vorbereitet als Erster in der Schule erschien, um etlichen Klassen +die Kunst der Mathematik einzutrichtern, spazierte unbekümmert am +Marienplatz in seinem grauen karierten Pyjama, nachdem er seinen Bauch +in seinem Lieblingslokal gefüllt hatte. Vor dem Tod wollte er noch +seinen Geldbeutel zu seinem Vergnügen entleeren. Ein Drei-Gänge-Menü zum +Frühstück sättigte zwar einen Hunger, aber nicht den <em>anderen</em> +Hunger. Er betrat ein kleines Modegeschäft, welches im Schaufenster eine +schwarze Lederjacke für Frauen präsentierte. Es war allerdings nicht die +Jacke, die sein Interesse gewann. Vor sich hin murmelnd studierte er +seine Frage ein, bevor er sich zur Kasse begab.<br /> +»Guten Tag. Wie kann ich Ihnen helfen?«, fragte die Kassiererin. Die +Wörter, die ihm auf der Zunge lagen, schluckte er beim Lachen wieder +runter. Bei jedem Ansatz fing er erneut an zu lachen. Schließlich zeigte +er auf die schwarze Lederjacke.<br /> +»Möchten Sie die Jacke kaufen?«, vergewisserte sich die Kassiererin. Er +schüttelte den Kopf.<br /> +»Nein, aber wie viel kostet die Schaufensterpuppe?«, quietschte er aus +seinen zitternden Lippen raus bevor er sich seine Seele schlapp lachte. +Es dauerte ein wenig bis er merkte, dass weder die Kassiererin, noch die +anderen Kunden in der Schlange, seinen Humor schätzten. Dieser peinliche +Moment sollte dem sterbenden Mann eigentlich nichts bedeuten. Dennoch +stampfte er wütend raus und betrat die gegenüberliegende Boutique, wo er +tatsächlich eine Schaufensterpuppe zu einem Preis von zehn Lederjacken +kaufen durfte.</p> +<p>Etwa fünf Minuten südöstlich von ihm entfernt, bestaunte am +Viktualienmarkt eine hungrige schwarze Katze die leckeren Gerüche, die +sie allerdings nicht von ihrem Kummer ablenken konnten. Sie entschied +sich dazu nie wieder nachhause zurückzukehren. Schließlich hatte sie +niemanden mehr. Das einzige Familienmitglied, das sie wirklich Familie +nennen konnte, war der Hund. Mit dem Border Collie hatte sie jeden Tag +gespielt und jede Nacht gekuschelt. Auch wenn die Besitzer jedes Spiel +als Attentat interpretierten und immer wieder darüber diskutierten sie +wegzugeben, wurden die Wunden der depressiven Katze von ihrem besten +Freund geheilt. Nach einem unerwarteten Unfall nahm der Tod ihr +allerdings auch dieses Glück weg. Es war nicht ihre erste Begegnung mit +dem Tod. Wo immer sie auch hinging, nahm der maskierte Mann ihr die +Liebsten weg. Sie flüchtete nun nicht, weil die Besitzer ihr die Schuld +für den Tod des Hundes gaben, sondern weil sie es selber tat und sich +endgültig isolieren wollte. Eine ältere Dame, überwältigt von der +Hilflosigkeit der trauernden Katze, näherte sich vorsichtig an. Ehe die +Katze es bemerkte, lief sie auch vom Viktualienmarkt weg und suchte ein +Versteck.</p> +<p>In der engen Einzimmerwohnung in der Eduard-Schmid-Straße angekommen, +bemerkte Hana als erstes, dass ihr Vater weiterhin auf dem Boden vor dem +Kühlschrank schlief und einen tödlichen Gestank annahm. Aus dem Schrank +ihres Vaters nahm sie also einen beruhigenden Lavendel Parfum und +sprühte das Flakon leer, sodass auch die Fliegen wegflogen. Dann stand +sie endlich vor dem Schrank, wie die Isar es ihr empfohlen hatte, und +wartete auf die Magie. Sie geduldete sich ein paar weitere Sekunden, +doch sie wusste immer noch nicht, warum sie das rote Kleid ausgewählt +hatte. Im Spiegel sah sie wie dreckig und unordentlich es geworden ist, +was sie beunruhigte, da es das letzte Geschenk ihrer Mutter war. Zwar +war ihr die Schule mittlerweile egal, doch zum Abschlussball wollte sie +dennoch hingehen. Nach ein paar weiteren Versuchen, wo sie kräftig in +Höchstleistung ihr Gehirn arbeiten ließ, lag sie sich erschöpft auf das +Bett hin, welches sie sich ebenfalls mit ihrem Vater teilte. +Gestreichelt von den warmen Sonnenstrahlen, schlief sie noch ein, +während der Lavendelduft noch am Leben war, und träumte von einer +schwarzen Maske.</p> +<p>Bis zur Mittagsstunde verstärkte sich Edgars Selbstbewusstsein mit +jedem vermeintlich sinnlosen Einkauf. Er ließ die Schaufensterpuppe, die +seinem Ego genug gedient hatte, mitten auf der Straße liegen, sodass er +beide Hände freihatte für seine Einkaufstüten. Eine beinhaltete +zweihundertfünfzig Stück Stahlnägel, einen Klauenhammer und ein +übertrieben langes Hanfseil. In der anderen Tüte trug er einen schwarzen +Bademantel aus reiner Baumwolle und jede Menge Spielzeuge, die ihm +vorher zu teuer erschienen. Schließlich war nicht nur sein Geldbeutel +leer, sondern auch sein Konto. Am Viktualienmarkt angekommen, knurrte +sein Magen bereits. In diesem Moment hinterfragte er einige +Konsumentscheidungen. Von Stand zu Stand nahm sein Hunger zu, jedes +kindliche Lächeln verführte ihn und die Verzweiflung über den Geldmangel +für den Rest des Tages wuchs. Da bemerkte er eine junge Dame, deren +Designerklamotten und Goldschmuck laut und deutlich nach Wohlstand +schrien. Unauffällig fing er an sie zu verfolgen. Ständig überprüfte er +die Menschenmenge um sich herum. Die Straßen waren an diesem +wunderschönen Sommertag überfüllt. Die Sonne beobachtete das Geschehen. +Sie rief den Regen und das Gewitter herbei.<br /> +»Hinterfrage nicht deinen Willen. Du hast es verdient«, flüsterte sie +Edgar zu, bevor sie sich verabschiedete. Sofort wurde es leerer und auch +die Frau, überrascht wie alle anderen, lief schneller. Edgar verfolgte +sie weiter bis sie in einem Fußgängertunnel stehen blieb und das +Unwetter abwartete. Er entpackte das Seil vorsichtig und näherte sich +ihr an als sie sich plötzlich umdrehte.<br /> +»Das Wetter ist heutzutage ein wahres Hexenwerk, nicht wahr?«, sagte sie +und schaute wieder raus ohne das Seil in seinen Händen bemerkt zu haben. +Schockiert und erleichtert in derselben Sekunde wartete Edgar nicht +länger und brachte das Seil um ihren Hals, um sie zu erwürgen, doch ein +wütender Schrei eines Mannes und dessen Schritte hinter ihm, bezwangen +seinen Mut. Er schubste die Dame auf den Boden und lief weg. All seine +Einkäufe ließ er liegen und dabei bemerkte er nicht einmal, dass die +schwachen Beine des alten Mannes ihn längst nicht mehr verfolgten.</p> +<p>In einem ihr unbekannten Gebiet irgendwo in der Isarvorstadt +versteckte sich die schwarze Katze unter einem Auto. Auch wenn die Kälte +den Kampf gegen den Hunger schwieriger machte, fühlte sie sich im Regen +wohler. Das traurige Wetter reflektierte ihre Gefühlslage haargenau und +die leeren Straßen dämpften ihre Angst. Eigentlich wollte die Katze +nicht einsam und alleine sein. Ihr ganzes Leben war sie auf der Suche +nach Liebe und Zuneigung. Doch diese zu verlieren, schmerzte ihr mehr. +Sie war darauf eingestellt bis zu ihrem Tod zu verhungern bis auf einmal +eine dunkle Hand einen Napf mit Katzenfutter zu ihr stellte. Das kluge +Tier war nicht dumm. Natürlich war es eine Falle. Allerdings konnte sie +dem Geruch vom Huhn mit Distelöl nicht lange widerstehen. Nach einigen +Minuten verlor sie die Geduld und genehmigte sich das Futter anzunehmen. +Hastig verschlang sie eine Portion und genoss jeden Bissen. Als der +Selbstlose den Napf nachfüllte, konnte sie ihn identifizieren und wich +sofort zurück.<br /> +»Bitte lass mich in Ruhe«, miaute sie und ließ den maskierten Mann +enttäuscht im Regen stehen. Wenn er weinen könnte, würde er es tun, +während er über die früheren Begegnungen mit der Katze dachte. Die +Sirenen eines Krankenwagens in der Nähe führten ihn zurück zu seiner +Arbeit.</p> +<p>»So einfach kann man sein Leben verschwenden«, war der erste Gedanke +als Hana nachmittags aufwachte, nachdem die Türklingel endlich in ihren +Ohren angekommen war. Sobald sie die Tür aufmachte, blickte die +Nachbarin mit tränenden Augen zur Leiche und nahm Hana in die Arme. Mit +einem Taschentuch hielt sie sich die Nase zu und beugte sich runter zu +Hanas toten Vater.<br /> +»Jetzt verlässt <em>du</em> das arme Kind auch noch. Du musstest +unbedingt dein ganzes Leben bis zum Tod mit Alkohol und Tabak +verschwenden«, weinte die Grauhaarige und führte anschließend Hana zu +ihrer Wohnung. Diesen Worten entnahm das Mädchen einen großen Hinweis. +Der Weg zur Lösung leuchtete und auf einmal war alles einfach.<br /> +»Ruh dich hier aus, Schätzchen«, sagte die Nachbarin bevor sie sich dem +Telefon wand. Der Tod des Vaters bereite der Tochter keinen Kummer. +Stattdessen beschäftigten sich ihre Gedanken mit der endlich vollendeten +Magie in ihrem Kopf.<br /> +»So einfach kann man sein Leben verschwenden«, wiederholte sie. Ihre +Frage hatte eine Antwort gefunden. Sie erinnerte sich für wen sie das +rote Kleid angezogen hat. Auch nur der Gedanke an diese tiefe, +beruhigende Stimme, die sie gestern im Schlaf gehört hat, zersprengte +fast ihren Körper, der mit Lust überfüllt war. Das Mädchen machte sich +einen Bild von ihrem Traummann, der als einziger groß und breit genug +war, um ihre versteckten Sorgen warm zu empfangen. Seine Wucht und +Dominanz würden jede Nacht ihre Unsicherheiten auslöschen. Nicht mal +seinen, von der schwarzen Maske überdeckten, Blick würde sie mit einer +anderen Frau teilen wollen. Er gehörte ihr ganz alleine. Für ihn musste +sie die Schönste sein. Einerseits konnte sie nicht glücklicher sein. +Andererseits bereitete ihr der Zustand ihres Kleids umso mehr Sorgen. +Begleitet von Blitz und Donner machte sich Hana erneut auf den Weg zur +Isar, um ihr von ihrem baldigen Partner zu erzählen. Es war der Tod.</p> +<p>Geplagt von den Enttäuschungen, die seine hohen Erwartungen für +diesen letzten Tag, zertrümmerten, vergoss Edgar auf der +Reichenbachbrücke wütende Tränen, die gemeinsam mit den Regentropfen in +die Isar platschten. Am letzten Tag wollte er vergessen und nicht +zurückhalten. Sein ganzes Leben unterrichtete er seinen Klassen, dass +die Mathematik, trotz ihrer Macht und Richtigkeit, nicht alles +beantworten konnte. Stets glaubte er an die Lücke im Determinismus und +an die menschliche Fähigkeit den gutherzigen Weg zu wählen. Jedoch stieg +seine verbotene Lust in gleichen Zügen. Als ihm schließlich bewusst +wurde, dass er seinen letzten Tag erleben werde, fiel es ihm zu einfach +den Glauben an einen Sinn der Moral zu verlieren. Noch war der Tag der +Freiheit nicht zu Ende. Auch beruhigte ihn das Verständnis der Sonne. +Allerdings fragte er sich, ob sie denn seinen tatsächlichen Willen +kannte. Blitzschnell fand er darauf eine Antwort als er einem Blitz +ausweichen musste.<br /> +»Die Königin weiß alles. Du sollst keine Angst haben«, zischte ein +blauer Bote und verschwand. Die schwarze Katze, die an ihm vorbeiging, +war zu verblendet von seiner Trauer, um seine unkontrollierbar steigende +Wut zu sehen. Vielleicht verlor er ebenfalls einen Freund fürs Leben. +Der Versuch, sich nicht in den möglichen Geschichten hinter diesem +langen Gesicht zu verlieren, scheiterte nach wenigen Schritten. Sie +blieb stehen. Die Katze versuchte weiter zu gehen, doch ihr Herz befahl +ihr, ihm Gesellschaft zu leisten. Nicht zum ersten Mal gab sie aufgrund +des Dranges, einer Person in Not helfen zu müssen, ihre Sturheit auf. +Langsam kuschelte sie sich an das Bein und weckte damit Edgar von seinen +beängstigenden Träumen auf. Beim ersten Kontakt spürten beide die Leere +des Gegenübers. Die liebevollen grünen Augen der Katze durchdrangen das +Herz des Mannes und konnten ihn für einen kurzen Augenblick von seinem +Wahnsinn ablenken. Sie miaute zitternd nach seiner Aufmerksamkeit. Er +hockte sich auf den nassen Boden hin und seine Krauler vom Kinn bis zum +Ohr wurden mit dem beruhigenden Schnurren belohnt. Beim Wunschgedanken, +der Katze etwas zu kaufen, erinnerte er sich an seine Situation und +letztendlich gewann der Wahnsinn wieder die Oberhand als ausgerechnet in +diesem Moment eine ehemalige Schülerin in einem roten Kleid in sein Auge +fiel.<br /> +»Hana, was machst du hier? Zieh dir doch wenigstens eine Jacke an«, +sagte die Isar, die ohnehin von einer Nachricht der Sonne bedrückt war, +als die Träumende im nassen, teilweise zerrissenen Kleid zu ihr +angerannt kam. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Die Breite ihres +Lächelns ignorierte die Grenzen ihres Gesichts.<br /> +»Es ist der Tod, Isar. Ich habe die Antwort gefunden. Für den charmanten +maskierten Mann habe ich das schöne Kleid angezogen«, rief Hana +überwältigt von ihrer Sehnsucht. Die Isar wich zurück.<br /> +»Isar? Was ist denn? Kennst du etwa den Tod?«, fragte das junge Mädchen. +Der Fluss schwieg.<br /> +»Machst du dir Sorgen wegen meinem Kleid? Wird es ihm nicht gefallen?«, +fragte Hana. Nachdem sie keine Antwort erhalten hat, dachte sie kurz +nach und plötzlich fing sie an den roten Stoff in Fetzen zu zerreißen +bis die Regentropfen gierig an ihrer nackten Haut klebten und sie +küssten. Mit dieser Reaktion hatte die Isar nicht gerechnet. So kannte +sie Hana gar nicht. Sie wütete kreuz und quer, nachdem sie nun ihre +einzige Ablenkung von der demütigenden Arbeit verloren hatte.<br /> +»Sieh mich an. Das wird ihm doch sicher gefallen. Jetzt muss ich ihn nur +noch hierher bringen«, lachte Hana und bemerkte bei ihrem Freudentanz im +Regen nicht die hungrige Bestie hinter ihm. Alle falschen Gedanken, die +Edgar jahrelang in den Unterrichtsstunden unterdrückte, strömten von der +Kammer im Gehirn zu seinem spitzen Schwert zwischen den Beinen runter. +Aus seinem Mund goss der Überfluss an Lust hinaus. Auch er entkleidete +sich und schärfte seine Klinge. Die Katze, die ihm folgte, sah den +Wandel nicht kommen. Wieder einmal bestrafte das Leben ihren hart +erkämpften Glauben an eine bessere Zeit. Sie befürchtete die Ankunft +einer ungewollten Bekanntschaft und so drehte sie sich um bevor sich +Edgar auf seine Beute stürzte. Das wilde Tier packte Hana von hinten und +warf sie auf den Boden. Er verschlang genüsslich den Nacken, ging den +Rücken entlang runter und hielt mit aller Kraft ihren Mund zu. Wenn auch +kein Wort von ihrer kleinen Freundin kam, reichten die Laute der Bestie +aus, die Isar zu alarmieren. Sie sammelte ihre Kraft als Edgar Hanas +Wundpunkt abtastete, um sie zu erstechen, doch erschrak sich beim +Einschlag eines Blitzes.<br /> +»Du hältst dich erstmal raus«, übermittelte der Bote den Befehl der +Königin und instinktiv blieb der Fluss stehen.<br /> +»Mama! Papa soll aufhören! Sag Papa, dass er aufhören soll!«, schrie das +arme Mädchen, dass Edgars haarigen Finger weg biss, während das Schwert +einstach. Diese Worte verdeutlichten mit der Nachricht der Sonne +zusammen die Befürchtungen der Isar, die den Schmerz, nichts tun zu +können, verschlimmerten. Sie musste zusehen wie Edgar seine Waffe +hineindrückte. Der ewig blockierte Weg zum Glück war für Edgar geöffnet. +Er wollte mehr und stach weitere Male ein in das hilflose Opfer, das mit +diesen Niederlagen schon siebzehn Jahre lang vertraut war. Nichts hielt +Edgars Rausch auf bis er in seiner linken Pobacke einen Biss spürte. Es +war ein winziger, aber deutlich störender Schmerz. Als er endlich +aufstand, war sein mächtiges Schwert zu abgeschwächt und verlor den +Kampf gegen die Krallen der schwarzen Katze. Die Enttäuschung in den +grüngelben Augen hinterfragten den Wert seiner Befriedigung. Ein +erneuter Angriff zwang ihn zu Boden. Sein letzter Gedankenschritt +bemerkte die Kurzfristigkeit seines heiß erwarteten Glücks. Hana +schnappte den nächsten handgroßen Stein und zerschmetterte damit das +Schwert endgültig. Während ihr Gehirn alte Erinnerungen verarbeitete, +demolierte sie Edgars Gesicht. Das Blut spritzte auf das schwarze Fell +und wie er es erwartet hatte, lebte der einst begeisterte Mathelehrer +seinen letzten Tag zu Ende. Wer genau lauschte, konnte das Lachen der +Sonne hören. Hana hörte aber nicht auf. Die Katze spürte einen kalten +Schauer über den Rücken laufen, als Hana aus dem Nichts wahnsinnig +glücklich lachte. Mittendrin änderte sich ihre Motivation hinter den +Schlägen. Und wie sie es sich erhoffte, umfasste eine große dunkle Hand +ihre Taille und trug sie zur Seite.<br /> +»Es reicht«, sagte die riesige Gestalt und setzte sich zur Leiche hin. +Seine erdnahe Stimme berührte Hanas Wundpunkt zärtlich und heilte die +Schmerzen. Die Schwertscheide war überzeugt endlich das richtige Schwert +gefunden zu haben. Der maskierte Mann übertraf Hanas Vorstellungen. +Selbst im Sitzen war er doppelt so groß wie sie und seine breiten +Schultern hätten für sie ein Bett sein können. Der Bau des Todes war +nicht mit Männern zu vergleichen. Während der Tod nach einem passenden +Stein suchte, malte sich das Mädchen alle möglichen Bilder ihrer Zukunft +mit ihm aus.<br /> +»Du hattest gestern und auch gerade eben deine Gründe. Aber du musst +aufhören, Kind«, erzählte er vor sich hin und übertrug die Seele Edgars +in einen Stein. Die Isar war überrascht und verwirrt. Sonst hatte der +Tod noch nie seine Meinung zu einem Mörder geäußert und das sollte er +auch nicht. Umso überraschter war sie, als Hana den Tod von hinten +bekletterte und umarmte. Doch sofort warf er sie zur Seite.<br /> +»Tut mir leid, aber das kannst du nicht machen«, sagte er.<br /> +»Nein, entschuldige dich nicht. Schubs mich. Stoß mich. Schlag mich tot +und nimm mich mit«, antwortete sie und bekletterte ihn von vorne. Sie +drückte sein Gesicht in ihren blutbeschmierten Bußen und versuchte dabei +seine Maske abzunehmen und wieder warf er sie zur Seite, aber erheblich +rücksichtsloser.<br /> +»Dummes Kind! Red keinen Unsinn«, schimpfte er. Er nahm seinen Umhang ab +und wickelte sie darin ein. So sehr auch diese kalte Wärme ihren Körper +erregte, fühlte sie sich diesmal vom Charme des Todes beleidigt.<br /> +»Das ist kein Unsinn. Töte mich sofort und nimm mich mit. Ich will dich +jede Nacht in mir spüren«, schmollte das Kind zunächst vor sich hin bis +sie den Zorn des Todes spürte. Seine Aura vergrößerte sich und nahm eine +unausgeglichene Farbe an, mit der nicht einmal die Isar bisher vertraut +war. Hana bekam Angst und ehe der Regen sich langsam zurückzog, waren +auch ihre Tränen zu sehen, jedoch reichte es nicht aus, ihren fest +verbauten Wunsch im Herzen abzuschrecken. Sie wartete weiter auf den +Todesschlag. Vermeintlich unbekümmert schloss der maskierte Mann die +Übertragung der Seele ab, bevor er anschließend den Stein in die Isar +warf. Der letzte Blitz schlug neben ihr ein. So schwer es ihr auch fiel, +schleuderte die Isar sich schwungvoll auf ihre kleine Freundin schneller +als es der Tod merken konnte und entführte sie ins Wasser. Auch Hana, +qualvoll von der Isar erwürgt, konnte sich vom Wahnsinn in ihren letzten +Sekunden befreien, als es schon zu spät war. Machtlos fiel der maskierte +Mann auf die Knie und beneidete die Lebenden um die Fähigkeit zu +sterben.<br /> +»Ich kann nichts machen. Ich kann es nicht stoppen, liebe Katze. Es tut +mir leid«, weinte der Tod ohne Tränen.<br /> +»Nein. Entschuldige dich nicht. <em>Du</em> tust mir leid«, sagte sie +und legte sich neben ihm auf den Rücken. Verhungernd und erschöpft vom +Kampf besaß sie ebenfalls nicht die Kraft zu weinen. Er kraulte ihr den +Bauch und wartete auf den Sonnenaufgang bis er zu guter Letzt der +beschämten Isar die Seele der schwarzen Katze übergab.</p> +</div> + + </main> + <footer> + Vithuran Vishnuthas © 2022 - 2023 + </footer> + + +</body> + +</html> diff --git a/docs/stories/wege_zum_tod.pdf b/docs/stories/wege_zum_tod.pdf Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..d1a89d6 --- /dev/null +++ b/docs/stories/wege_zum_tod.pdf |
