From f982a5621bfed646ce71fcf7aeeca71ef4ae55c1 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: WriterV2 Date: Sun, 4 Aug 2024 10:07:08 +0200 Subject: Purge --- stories_html/wege_zum_tod.html | 316 ----------------------------------------- 1 file changed, 316 deletions(-) delete mode 100644 stories_html/wege_zum_tod.html (limited to 'stories_html/wege_zum_tod.html') diff --git a/stories_html/wege_zum_tod.html b/stories_html/wege_zum_tod.html deleted file mode 100644 index c36f808..0000000 --- a/stories_html/wege_zum_tod.html +++ /dev/null @@ -1,316 +0,0 @@ -

Am farbenfrohen Morgen ihres letzten Tages saß die siebzehnjährige -Hana im Blickwinkel der selbstbewussten Sonne am Isarufer in einem roten -Ballkleid. Ihre kurzen schwarzen Haare tanzten zum angenehmen Gesang des -Windes mit. Weder die zwei Möwen neben ihr, die weggeworfene Tüten nach -Essen absuchten, noch die laute Schlagermusik oben auf der -Reichenbachbrücke, weckten sie beim Tagträumen auf. In ihren chaotischen -Gedanken suchte sie nach einer Antwort auf die Frage, die in ihrem -Gehirn eingenistet war. Auf ihrem leicht geschminkten Gesicht vermehrten -sich die Fragezeichen bis kein Platz mehr übrig war und ihre natürliche -Röte das Rouge übertönte. Die Isar kicherte vergnügt.
-»Du siehst ja heute wunderschön aus. Gibt es einen speziellen Anlass?«, -fragte sie. Der Fluss, der das Leben der Münchener hin und auswendig -kennt, hat für Hana einen besonderen Platz im Herzen.
-»Ich frage mich selber die ganze Zeit warum ich es heute angezogen -habe«, beklagte Hana und fasste sich an den Kopf.
-»Hast du mal die Entscheidung nachgespielt?«, fragte die Isar. Die Sonne -musste lachen beim Anblick des verwirrten Blicks, der als eine Antwort -reichte. Gerade diese naive Leichtigkeit des Mädchens löste beim -täglichen Quatschen die ältesten Probleme der Isar auf, wenn auch nur -für den Moment.
-»Du könntest dich wieder vor deinen Kleiderschrank stellen, sodass du -die möglichen Einflüsse nochmal wahrnehmen kannst«, erklärte die Isar -ausführlicher. Konzentriert schaute Hana in die Ferne und verarbeitete -die Worte des Flusses bis sie vor Freude aufsprang und damit die Möwen -verscheuchte.
-»Das ist eine geniale Idee …Mit dem Kleiderschrank von Papa funktioniert -das auch, oder?«, fragte sie zögerlich. Der große Stern am Himmel lachte -das Kind weiter aus.
-»Wenn da das Kleid drinnen war, ja«, antworte die Isar geduldig. Sofort -machte sich Hana auf den Weg nachhause.

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Im Gegensatz zu Hana, wusste Edgar bereits, dass es sein letzter Tag -sein wird. Niemand prophezeite ihm diese Wahrheit. Es war ihm grundlos -selbstverständlich. Der Mann, der normalerweise jeden Morgen gepflegt -und vorbereitet als Erster in der Schule erschien, um etlichen Klassen -die Kunst der Mathematik einzutrichtern, spazierte unbekümmert am -Marienplatz in seinem grauen karierten Pyjama, nachdem er seinen Bauch -in seinem Lieblingslokal gefüllt hatte. Vor dem Tod wollte er noch -seinen Geldbeutel zu seinem Vergnügen entleeren. Ein Drei-Gänge-Menü zum -Frühstück sättigte zwar einen Hunger, aber nicht den anderen -Hunger. Er betrat ein kleines Modegeschäft, welches im Schaufenster eine -schwarze Lederjacke für Frauen präsentierte. Es war allerdings nicht die -Jacke, die sein Interesse gewann. Vor sich hin murmelnd studierte er -seine Frage ein, bevor er sich zur Kasse begab.
-»Guten Tag. Wie kann ich Ihnen helfen?«, fragte die Kassiererin. Die -Wörter, die ihm auf der Zunge lagen, schluckte er beim Lachen wieder -runter. Bei jedem Ansatz fing er erneut an zu lachen. Schließlich zeigte -er auf die schwarze Lederjacke.
-»Möchten Sie die Jacke kaufen?«, vergewisserte sich die Kassiererin. Er -schüttelte den Kopf.
-»Nein, aber wie viel kostet die Schaufensterpuppe?«, quietschte er aus -seinen zitternden Lippen raus bevor er sich seine Seele schlapp lachte. -Es dauerte ein wenig bis er merkte, dass weder die Kassiererin, noch die -anderen Kunden in der Schlange, seinen Humor schätzten. Dieser peinliche -Moment sollte dem sterbenden Mann eigentlich nichts bedeuten. Dennoch -stampfte er wütend raus und betrat die gegenüberliegende Boutique, wo er -tatsächlich eine Schaufensterpuppe zu einem Preis von zehn Lederjacken -kaufen durfte.

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Etwa fünf Minuten südöstlich von ihm entfernt, bestaunte am -Viktualienmarkt eine hungrige schwarze Katze die leckeren Gerüche, die -sie allerdings nicht von ihrem Kummer ablenken konnten. Sie entschied -sich dazu nie wieder nachhause zurückzukehren. Schließlich hatte sie -niemanden mehr. Das einzige Familienmitglied, das sie wirklich Familie -nennen konnte, war der Hund. Mit dem Border Collie hatte sie jeden Tag -gespielt und jede Nacht gekuschelt. Auch wenn die Besitzer jedes Spiel -als Attentat interpretierten und immer wieder darüber diskutierten sie -wegzugeben, wurden die Wunden der depressiven Katze von ihrem besten -Freund geheilt. Nach einem unerwarteten Unfall nahm der Tod ihr -allerdings auch dieses Glück weg. Es war nicht ihre erste Begegnung mit -dem Tod. Wo immer sie auch hinging, nahm der maskierte Mann ihr die -Liebsten weg. Sie flüchtete nun nicht, weil die Besitzer ihr die Schuld -für den Tod des Hundes gaben, sondern weil sie es selber tat und sich -endgültig isolieren wollte. Eine ältere Dame, überwältigt von der -Hilflosigkeit der trauernden Katze, näherte sich vorsichtig an. Ehe die -Katze es bemerkte, lief sie auch vom Viktualienmarkt weg und suchte ein -Versteck.

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In der engen Einzimmerwohnung in der Eduard-Schmid-Straße angekommen, -bemerkte Hana als erstes, dass ihr Vater weiterhin auf dem Boden vor dem -Kühlschrank schlief und einen tödlichen Gestank annahm. Aus dem Schrank -ihres Vaters nahm sie also einen beruhigenden Lavendel Parfum und -sprühte das Flakon leer, sodass auch die Fliegen wegflogen. Dann stand -sie endlich vor dem Schrank, wie die Isar es ihr empfohlen hatte, und -wartete auf die Magie. Sie geduldete sich ein paar weitere Sekunden, -doch sie wusste immer noch nicht, warum sie das rote Kleid ausgewählt -hatte. Im Spiegel sah sie wie dreckig und unordentlich es geworden ist, -was sie beunruhigte, da es das letzte Geschenk ihrer Mutter war. Zwar -war ihr die Schule mittlerweile egal, doch zum Abschlussball wollte sie -dennoch hingehen. Nach ein paar weiteren Versuchen, wo sie kräftig in -Höchstleistung ihr Gehirn arbeiten ließ, lag sie sich erschöpft auf das -Bett hin, welches sie sich ebenfalls mit ihrem Vater teilte. -Gestreichelt von den warmen Sonnenstrahlen, schlief sie noch ein, -während der Lavendelduft noch am Leben war, und träumte von einer -schwarzen Maske.

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Bis zur Mittagsstunde verstärkte sich Edgars Selbstbewusstsein mit -jedem vermeintlich sinnlosen Einkauf. Er ließ die Schaufensterpuppe, die -seinem Ego genug gedient hatte, mitten auf der Straße liegen, sodass er -beide Hände freihatte für seine Einkaufstüten. Eine beinhaltete -zweihundertfünfzig Stück Stahlnägel, einen Klauenhammer und ein -übertrieben langes Hanfseil. In der anderen Tüte trug er einen schwarzen -Bademantel aus reiner Baumwolle und jede Menge Spielzeuge, die ihm -vorher zu teuer erschienen. Schließlich war nicht nur sein Geldbeutel -leer, sondern auch sein Konto. Am Viktualienmarkt angekommen, knurrte -sein Magen bereits. In diesem Moment hinterfragte er einige -Konsumentscheidungen. Von Stand zu Stand nahm sein Hunger zu, jedes -kindliche Lächeln verführte ihn und die Verzweiflung über den Geldmangel -für den Rest des Tages wuchs. Da bemerkte er eine junge Dame, deren -Designerklamotten und Goldschmuck laut und deutlich nach Wohlstand -schrien. Unauffällig fing er an sie zu verfolgen. Ständig überprüfte er -die Menschenmenge um sich herum. Die Straßen waren an diesem -wunderschönen Sommertag überfüllt. Die Sonne beobachtete das Geschehen. -Sie rief den Regen und das Gewitter herbei.
-»Hinterfrage nicht deinen Willen. Du hast es verdient«, flüsterte sie -Edgar zu, bevor sie sich verabschiedete. Sofort wurde es leerer und auch -die Frau, überrascht wie alle anderen, lief schneller. Edgar verfolgte -sie weiter bis sie in einem Fußgängertunnel stehen blieb und das -Unwetter abwartete. Er entpackte das Seil vorsichtig und näherte sich -ihr an als sie sich plötzlich umdrehte.
-»Das Wetter ist heutzutage ein wahres Hexenwerk, nicht wahr?«, sagte sie -und schaute wieder raus ohne das Seil in seinen Händen bemerkt zu haben. -Schockiert und erleichtert in derselben Sekunde wartete Edgar nicht -länger und brachte das Seil um ihren Hals, um sie zu erwürgen, doch ein -wütender Schrei eines Mannes und dessen Schritte hinter ihm, bezwangen -seinen Mut. Er schubste die Dame auf den Boden und lief weg. All seine -Einkäufe ließ er liegen und dabei bemerkte er nicht einmal, dass die -schwachen Beine des alten Mannes ihn längst nicht mehr verfolgten.

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In einem ihr unbekannten Gebiet irgendwo in der Isarvorstadt -versteckte sich die schwarze Katze unter einem Auto. Auch wenn die Kälte -den Kampf gegen den Hunger schwieriger machte, fühlte sie sich im Regen -wohler. Das traurige Wetter reflektierte ihre Gefühlslage haargenau und -die leeren Straßen dämpften ihre Angst. Eigentlich wollte die Katze -nicht einsam und alleine sein. Ihr ganzes Leben war sie auf der Suche -nach Liebe und Zuneigung. Doch diese zu verlieren, schmerzte ihr mehr. -Sie war darauf eingestellt bis zu ihrem Tod zu verhungern bis auf einmal -eine dunkle Hand einen Napf mit Katzenfutter zu ihr stellte. Das kluge -Tier war nicht dumm. Natürlich war es eine Falle. Allerdings konnte sie -dem Geruch vom Huhn mit Distelöl nicht lange widerstehen. Nach einigen -Minuten verlor sie die Geduld und genehmigte sich das Futter anzunehmen. -Hastig verschlang sie eine Portion und genoss jeden Bissen. Als der -Selbstlose den Napf nachfüllte, konnte sie ihn identifizieren und wich -sofort zurück.
-»Bitte lass mich in Ruhe«, miaute sie und ließ den maskierten Mann -enttäuscht im Regen stehen. Wenn er weinen könnte, würde er es tun, -während er über die früheren Begegnungen mit der Katze dachte. Die -Sirenen eines Krankenwagens in der Nähe führten ihn zurück zu seiner -Arbeit.

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»So einfach kann man sein Leben verschwenden«, war der erste Gedanke -als Hana nachmittags aufwachte, nachdem die Türklingel endlich in ihren -Ohren angekommen war. Sobald sie die Tür aufmachte, blickte die -Nachbarin mit tränenden Augen zur Leiche und nahm Hana in die Arme. Mit -einem Taschentuch hielt sie sich die Nase zu und beugte sich runter zu -Hanas toten Vater.
-»Jetzt verlässt du das arme Kind auch noch. Du musstest -unbedingt dein ganzes Leben bis zum Tod mit Alkohol und Tabak -verschwenden«, weinte die Grauhaarige und führte anschließend Hana zu -ihrer Wohnung. Diesen Worten entnahm das Mädchen einen großen Hinweis. -Der Weg zur Lösung leuchtete und auf einmal war alles einfach.
-»Ruh dich hier aus, Schätzchen«, sagte die Nachbarin bevor sie sich dem -Telefon wand. Der Tod des Vaters bereite der Tochter keinen Kummer. -Stattdessen beschäftigten sich ihre Gedanken mit der endlich vollendeten -Magie in ihrem Kopf.
-»So einfach kann man sein Leben verschwenden«, wiederholte sie. Ihre -Frage hatte eine Antwort gefunden. Sie erinnerte sich für wen sie das -rote Kleid angezogen hat. Auch nur der Gedanke an diese tiefe, -beruhigende Stimme, die sie gestern im Schlaf gehört hat, zersprengte -fast ihren Körper, der mit Lust überfüllt war. Das Mädchen machte sich -einen Bild von ihrem Traummann, der als einziger groß und breit genug -war, um ihre versteckten Sorgen warm zu empfangen. Seine Wucht und -Dominanz würden jede Nacht ihre Unsicherheiten auslöschen. Nicht mal -seinen, von der schwarzen Maske überdeckten, Blick würde sie mit einer -anderen Frau teilen wollen. Er gehörte ihr ganz alleine. Für ihn musste -sie die Schönste sein. Einerseits konnte sie nicht glücklicher sein. -Andererseits bereitete ihr der Zustand ihres Kleids umso mehr Sorgen. -Begleitet von Blitz und Donner machte sich Hana erneut auf den Weg zur -Isar, um ihr von ihrem baldigen Partner zu erzählen. Es war der Tod.

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Geplagt von den Enttäuschungen, die seine hohen Erwartungen für -diesen letzten Tag, zertrümmerten, vergoss Edgar auf der -Reichenbachbrücke wütende Tränen, die gemeinsam mit den Regentropfen in -die Isar platschten. Am letzten Tag wollte er vergessen und nicht -zurückhalten. Sein ganzes Leben unterrichtete er seinen Klassen, dass -die Mathematik, trotz ihrer Macht und Richtigkeit, nicht alles -beantworten konnte. Stets glaubte er an die Lücke im Determinismus und -an die menschliche Fähigkeit den gutherzigen Weg zu wählen. Jedoch stieg -seine verbotene Lust in gleichen Zügen. Als ihm schließlich bewusst -wurde, dass er seinen letzten Tag erleben werde, fiel es ihm zu einfach -den Glauben an einen Sinn der Moral zu verlieren. Noch war der Tag der -Freiheit nicht zu Ende. Auch beruhigte ihn das Verständnis der Sonne. -Allerdings fragte er sich, ob sie denn seinen tatsächlichen Willen -kannte. Blitzschnell fand er darauf eine Antwort als er einem Blitz -ausweichen musste.
-»Die Königin weiß alles. Du sollst keine Angst haben«, zischte ein -blauer Bote und verschwand. Die schwarze Katze, die an ihm vorbeiging, -war zu verblendet von seiner Trauer, um seine unkontrollierbar steigende -Wut zu sehen. Vielleicht verlor er ebenfalls einen Freund fürs Leben. -Der Versuch, sich nicht in den möglichen Geschichten hinter diesem -langen Gesicht zu verlieren, scheiterte nach wenigen Schritten. Sie -blieb stehen. Die Katze versuchte weiter zu gehen, doch ihr Herz befahl -ihr, ihm Gesellschaft zu leisten. Nicht zum ersten Mal gab sie aufgrund -des Dranges, einer Person in Not helfen zu müssen, ihre Sturheit auf. -Langsam kuschelte sie sich an das Bein und weckte damit Edgar von seinen -beängstigenden Träumen auf. Beim ersten Kontakt spürten beide die Leere -des Gegenübers. Die liebevollen grünen Augen der Katze durchdrangen das -Herz des Mannes und konnten ihn für einen kurzen Augenblick von seinem -Wahnsinn ablenken. Sie miaute zitternd nach seiner Aufmerksamkeit. Er -hockte sich auf den nassen Boden hin und seine Krauler vom Kinn bis zum -Ohr wurden mit dem beruhigenden Schnurren belohnt. Beim Wunschgedanken, -der Katze etwas zu kaufen, erinnerte er sich an seine Situation und -letztendlich gewann der Wahnsinn wieder die Oberhand als ausgerechnet in -diesem Moment eine ehemalige Schülerin in einem roten Kleid in sein Auge -fiel.
-»Hana, was machst du hier? Zieh dir doch wenigstens eine Jacke an«, -sagte die Isar, die ohnehin von einer Nachricht der Sonne bedrückt war, -als die Träumende im nassen, teilweise zerrissenen Kleid zu ihr -angerannt kam. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Die Breite ihres -Lächelns ignorierte die Grenzen ihres Gesichts.
-»Es ist der Tod, Isar. Ich habe die Antwort gefunden. Für den charmanten -maskierten Mann habe ich das schöne Kleid angezogen«, rief Hana -überwältigt von ihrer Sehnsucht. Die Isar wich zurück.
-»Isar? Was ist denn? Kennst du etwa den Tod?«, fragte das junge Mädchen. -Der Fluss schwieg.
-»Machst du dir Sorgen wegen meinem Kleid? Wird es ihm nicht gefallen?«, -fragte Hana. Nachdem sie keine Antwort erhalten hat, dachte sie kurz -nach und plötzlich fing sie an den roten Stoff in Fetzen zu zerreißen -bis die Regentropfen gierig an ihrer nackten Haut klebten und sie -küssten. Mit dieser Reaktion hatte die Isar nicht gerechnet. So kannte -sie Hana gar nicht. Sie wütete kreuz und quer, nachdem sie nun ihre -einzige Ablenkung von der demütigenden Arbeit verloren hatte.
-»Sieh mich an. Das wird ihm doch sicher gefallen. Jetzt muss ich ihn nur -noch hierher bringen«, lachte Hana und bemerkte bei ihrem Freudentanz im -Regen nicht die hungrige Bestie hinter ihm. Alle falschen Gedanken, die -Edgar jahrelang in den Unterrichtsstunden unterdrückte, strömten von der -Kammer im Gehirn zu seinem spitzen Schwert zwischen den Beinen runter. -Aus seinem Mund goss der Überfluss an Lust hinaus. Auch er entkleidete -sich und schärfte seine Klinge. Die Katze, die ihm folgte, sah den -Wandel nicht kommen. Wieder einmal bestrafte das Leben ihren hart -erkämpften Glauben an eine bessere Zeit. Sie befürchtete die Ankunft -einer ungewollten Bekanntschaft und so drehte sie sich um bevor sich -Edgar auf seine Beute stürzte. Das wilde Tier packte Hana von hinten und -warf sie auf den Boden. Er verschlang genüsslich den Nacken, ging den -Rücken entlang runter und hielt mit aller Kraft ihren Mund zu. Wenn auch -kein Wort von ihrer kleinen Freundin kam, reichten die Laute der Bestie -aus, die Isar zu alarmieren. Sie sammelte ihre Kraft als Edgar Hanas -Wundpunkt abtastete, um sie zu erstechen, doch erschrak sich beim -Einschlag eines Blitzes.
-»Du hältst dich erstmal raus«, übermittelte der Bote den Befehl der -Königin und instinktiv blieb der Fluss stehen.
-»Mama! Papa soll aufhören! Sag Papa, dass er aufhören soll!«, schrie das -arme Mädchen, dass Edgars haarigen Finger weg biss, während das Schwert -einstach. Diese Worte verdeutlichten mit der Nachricht der Sonne -zusammen die Befürchtungen der Isar, die den Schmerz, nichts tun zu -können, verschlimmerten. Sie musste zusehen wie Edgar seine Waffe -hineindrückte. Der ewig blockierte Weg zum Glück war für Edgar geöffnet. -Er wollte mehr und stach weitere Male ein in das hilflose Opfer, das mit -diesen Niederlagen schon siebzehn Jahre lang vertraut war. Nichts hielt -Edgars Rausch auf bis er in seiner linken Pobacke einen Biss spürte. Es -war ein winziger, aber deutlich störender Schmerz. Als er endlich -aufstand, war sein mächtiges Schwert zu abgeschwächt und verlor den -Kampf gegen die Krallen der schwarzen Katze. Die Enttäuschung in den -grüngelben Augen hinterfragten den Wert seiner Befriedigung. Ein -erneuter Angriff zwang ihn zu Boden. Sein letzter Gedankenschritt -bemerkte die Kurzfristigkeit seines heiß erwarteten Glücks. Hana -schnappte den nächsten handgroßen Stein und zerschmetterte damit das -Schwert endgültig. Während ihr Gehirn alte Erinnerungen verarbeitete, -demolierte sie Edgars Gesicht. Das Blut spritzte auf das schwarze Fell -und wie er es erwartet hatte, lebte der einst begeisterte Mathelehrer -seinen letzten Tag zu Ende. Wer genau lauschte, konnte das Lachen der -Sonne hören. Hana hörte aber nicht auf. Die Katze spürte einen kalten -Schauer über den Rücken laufen, als Hana aus dem Nichts wahnsinnig -glücklich lachte. Mittendrin änderte sich ihre Motivation hinter den -Schlägen. Und wie sie es sich erhoffte, umfasste eine große dunkle Hand -ihre Taille und trug sie zur Seite.
-»Es reicht«, sagte die riesige Gestalt und setzte sich zur Leiche hin. -Seine erdnahe Stimme berührte Hanas Wundpunkt zärtlich und heilte die -Schmerzen. Die Schwertscheide war überzeugt endlich das richtige Schwert -gefunden zu haben. Der maskierte Mann übertraf Hanas Vorstellungen. -Selbst im Sitzen war er doppelt so groß wie sie und seine breiten -Schultern hätten für sie ein Bett sein können. Der Bau des Todes war -nicht mit Männern zu vergleichen. Während der Tod nach einem passenden -Stein suchte, malte sich das Mädchen alle möglichen Bilder ihrer Zukunft -mit ihm aus.
-»Du hattest gestern und auch gerade eben deine Gründe. Aber du musst -aufhören, Kind«, erzählte er vor sich hin und übertrug die Seele Edgars -in einen Stein. Die Isar war überrascht und verwirrt. Sonst hatte der -Tod noch nie seine Meinung zu einem Mörder geäußert und das sollte er -auch nicht. Umso überraschter war sie, als Hana den Tod von hinten -bekletterte und umarmte. Doch sofort warf er sie zur Seite.
-»Tut mir leid, aber das kannst du nicht machen«, sagte er.
-»Nein, entschuldige dich nicht. Schubs mich. Stoß mich. Schlag mich tot -und nimm mich mit«, antwortete sie und bekletterte ihn von vorne. Sie -drückte sein Gesicht in ihren blutbeschmierten Bußen und versuchte dabei -seine Maske abzunehmen und wieder warf er sie zur Seite, aber erheblich -rücksichtsloser.
-»Dummes Kind! Red keinen Unsinn«, schimpfte er. Er nahm seinen Umhang ab -und wickelte sie darin ein. So sehr auch diese kalte Wärme ihren Körper -erregte, fühlte sie sich diesmal vom Charme des Todes beleidigt.
-»Das ist kein Unsinn. Töte mich sofort und nimm mich mit. Ich will dich -jede Nacht in mir spüren«, schmollte das Kind zunächst vor sich hin bis -sie den Zorn des Todes spürte. Seine Aura vergrößerte sich und nahm eine -unausgeglichene Farbe an, mit der nicht einmal die Isar bisher vertraut -war. Hana bekam Angst und ehe der Regen sich langsam zurückzog, waren -auch ihre Tränen zu sehen, jedoch reichte es nicht aus, ihren fest -verbauten Wunsch im Herzen abzuschrecken. Sie wartete weiter auf den -Todesschlag. Vermeintlich unbekümmert schloss der maskierte Mann die -Übertragung der Seele ab, bevor er anschließend den Stein in die Isar -warf. Der letzte Blitz schlug neben ihr ein. So schwer es ihr auch fiel, -schleuderte die Isar sich schwungvoll auf ihre kleine Freundin schneller -als es der Tod merken konnte und entführte sie ins Wasser. Auch Hana, -qualvoll von der Isar erwürgt, konnte sich vom Wahnsinn in ihren letzten -Sekunden befreien, als es schon zu spät war. Machtlos fiel der maskierte -Mann auf die Knie und beneidete die Lebenden um die Fähigkeit zu -sterben.
-»Ich kann nichts machen. Ich kann es nicht stoppen, liebe Katze. Es tut -mir leid«, weinte der Tod ohne Tränen.
-»Nein. Entschuldige dich nicht. Du tust mir leid«, sagte sie -und legte sich neben ihm auf den Rücken. Verhungernd und erschöpft vom -Kampf besaß sie ebenfalls nicht die Kraft zu weinen. Er kraulte ihr den -Bauch und wartete auf den Sonnenaufgang bis er zu guter Letzt der -beschämten Isar die Seele der schwarzen Katze übergab.

-- cgit v1.2.3