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Lange hatte ich darauf gewartet -mit der dreistufigen Heilkunst dem jahrelangen Krieg gegen das -Aussterben der regionalen Drachenarten beizutreten. Schon immer war ich -fasziniert von diesen mysteriösen Kreaturen, die im Stadtkreis -Franzreich leider kaum noch zu beobachten sind. Mit Ehrgeiz und -Leidenschaft eignete ich mir das Wissen, die Fähigkeiten und jedes -notwendige Puzzleteil an. Vorerst musste ich mich noch bei der Gilde für -Heilkünstler anmelden.</p> -<p>Die zentrale Arbeitsverwaltungsstelle befand sich zum Glück direkt -gegenüber meiner Universität, also zehn spontane Minuten südlich von -mir. Natürlich bereitete ich mich sorgfältig vor und sicherte mir eine -Woche vorher jeweils zwei Kopien für alle Nachweise in einer akademisch -anerkannten Feendruckerei in der Nähe. Außerdem zog ich mir stolz die -schwarze Ganzkörperrüstung an, die mir einer meiner verstorbenen -Heilkunstmeister geschenkt hatte. Ausgerechnet an diesem Tag war der -kürzeste Weg aufgrund eines Streiks gegen den Franzreicher -Drachenverband blockiert. Dementsprechend musste ich einen Bogen um das -Gebiet des Streiks machen, um letztendlich über den südlichen Eingang -reinzukommen. Die Menschenmenge war wütend und laut.<br /> -»Tötet die Drachen! Tötet das Böse!«, sangen sie empört im Marschtempo. -Meistens waren es Kinder und Enkelkinder von den Opfern der -Drachenattacken vor Jahrzehnten, weshalb ich hitzige Diskussionen mit -ihnen stets vermied. Teilweise verstand ich auch das entfachte Feuer. -Der Stadtrat konnte sich die geplanten Mittel für die Unterstützung -aller regionalen Drachenstämme nicht leisten. Der Verband, der für diese -Entscheidung gekämpft hatte, unterstützte den Rat bei diesem Vorgehen -lediglich mit einem irrelevant kleinen Beitrag. Nun waren anderweitige -Abzüge geplant, die das Leben aller Menschen hier gefährdete. Die -zahlreichen Baustellen auf der Hinterseite dieses Denkmals unterstrichen -diese Gefahr. Manche von ihnen sind älter als ich und bei der Intensität -der Demonstrationen konnte die Hinterseite jederzeit einbrechen. Die -Schreie auf der anderen Seite konnte man vermutlich selbst außerhalb der -Stadt noch hören. Die nervigen Glockenschläge ließen vermuten, dass -immer mehr Aufsichtspersonen dazu kamen und das war noch nie ein gutes -Zeichen. Doch selbst bei diesem Chaos versammelten sich Touristen aus -jeder Ecke unserer Welt vor dem Eingang des riesigen Bauwerks und -staunten wortlos. Von vorne war das von der antiken Feenarchitektur -inspirierte Komplex aus überwiegend Gotenrot-Granit auch für einen -gebürtigen Franz wie mich überwältigend. Auch die Verdopplung der Zeit, -die ich zum Standort gebraucht hatte, ruinierte mir die Vorfreude nicht. -Endlich war es soweit!</p> -<p>Drinnen stellte ich mich in der Hitze an der Schlange zur Rezeption -an. Ob mit oder ohne Termin, mit oder ohne Vorwissen, mit oder ohne -Beschäftigung im Gebäude, musste sich jeder Besucher der vierundachtzig -Bereiche auf den neunzehn Etagen verteilt an der zentralen Meldestelle -in der ersten Etage anmelden. Die Bereiche selber konnten zusätzlich -ihre eigene Bereiche in den Weg stellen. Zumindest waren die großen -Fenster offen und auch aufgrund der Größe der Halle war frische -Luftzufuhr kaum ein Problem. Die Schlange in ihrer Länge würde vertikal -mit Sicherheit die Höhe des riesigen Gebäude übertrumpfen. Alle paar -Minuten bewegten wir uns alle einen Schritt vor. So verging bereits eine -halbe Stunde. Doch ich konnte die Wartezeit mit einem raus gerissenen -Zeitungsartikel über die Forschung der vierstufigen Heilkunst -verringern, wobei ich ehrlich gesagt aufgrund der Unruhe im Haus im -ersten Absatz hängen geblieben bin. Nebenbei jammerte die ganze Zeit ein -älterer Herr vor mir über den teuflischen Ursprung der Drachen. Er -spuckte große Töne wie er alleine alle Diener des Teufels vertreiben -könnte. Der Streit des Ehepaars hinter mir machte es nicht erträglicher. -Manchmal standen eben fade Hindernisse auf dem Weg zum Traumberuf und -jeder Franz, vielleicht auch jeder Mensch, musste damit leben.<br /> -»Ja. Bitte?«, begrüßte mich eine erschöpfte Stimme als ich erleichtert -vorne angekommen war. Ich schüttelte mir meine Frust ab auf die -Hoffnung, dass es hiernach schnell ginge.<br /> -»Guten Tag. Ich möchte mich bei der Gilde für Heilkünstler anmelden«, -sagte ich.<br /> -»Welche Art?«, fragte sie routiniert.<br /> -»Heilkunst für Drachen«, antwortete ich. Ihr grimmiger Blick verriet mir -ihre Meinung über meinen zukünftigen Beruf. Das war ich gewohnt. Sie -schob mir ein Blatt mit einer grünen Feenfeder zu.<br /> -»Name. Geburtsdatum. Unterschrift«, sagte sie und fing an ihre dutzende -Schubladen zu durchstöbern. Dies erledigte ich schnell. Da sie noch -nicht bereit war, las ich sicherheitshalber den Inhalt des Dokuments -durch, was im Endeffekt nur die Speicherung des Protokolls, das ich -ohnehin nicht ablehnen konnte, beinhaltete. Während sie in einen anderen -Raum verschwunden war, überprüfte ich nochmal meine Unterschrift -gelangweilt und verzierte sie mit fehlgeschlagenen Korrekturen.<br /> -»Da haben wir es endlich«, schnaufte sie. Nach ein paar Kreuzen auf den -drei Skripten überreichte sie mir diese.<br /> -»Erster Raum links in der dreizehnten Etage«, befahl sie mir und wand -sich an die nächste Person. Dies überraschte mich, da ich bei meinen -vergangenen Ausflügen gelernt hatte, dass sich die wichtigsten Räume für -die Heilkünstler Gilde in der zweiten Etagen befänden. Ich hatte vor, -sie zu bitten meine Unklarheiten aufzuklären. Nur war sie bereits im -nächsten Gespräch vertrieft und ignorierte mich. Die erschreckend -erstreckende Schlange stimmte ihrer Entscheidung zu.</p> -<p>Dreizehn mal dreißig Treppenstufen ging ich schwitzend hoch und las -mir dabei die Skripte für das Personal durch bis es anfing durch die -Fenster zu regnen. Zunächst klang ein Gewitter nicht weit entfernt bis -ich feststellen musste, dass es in Wirklichkeit Explosionen bei den -Demonstrationen waren. Bevor ich in meine Verzweiflungen über den Weg -nachhause versinken konnte, betrat ich oben angekommen einen winzigen -Raum, der überraschenderweise leer gewesen ist. Selbst an der Theke -stand niemand. Ich überprüfte nochmal den Raumnamen und es sollte der -richtige Ort sein.<br /> -»Komme gleich!«, rief jemand aus dem gegenüberliegenden Zimmer. Der -junge, offensichtlich überforderte Mann, der in seinem Schweiß duschen -durfte, kam schnell zu mir angerannt.<br /> -»Heilkunst für Klein-und Mitteldrachen? Richtig?«, fragte er. Ich haute -mir auf die Stirn mit einer bösen Vorahnung beim Klang des von ihm -erwähnten Zusatzes und bestätigte seine Vermutung.<br /> -»Ich bitte um Verzeihung. Sie finden die Anmeldung der Heilkünstler für -Klein-und Mitteldrachen in der zweiten Etage ganz hinten rechts«, sagte -er und nahm sich Luft, um Genaueres zu erklären, konnte allerdings an -meiner Reaktion ablesen, dass ich mir der Problematik bewusst geworden -bin. Ich bedankte mich bei ihm und machte mich auf den Weg runter.</p> -<p>Vor hunderten Jahren unterschied man zwischen dem Zweig der -vollständig anerkannten Heilkünstler für Drachen und dem für Klein-und -Mitteldrachen. Letzteres beschränkte sich auf kleinere, weniger riskante -Aufträge, eigentlich unabhängig von der Größe der Drachen, und machte -den Beruf mit niedrigeren Gebühren zugänglicher. In der Praxis wurde -diese Unterteilung nach Ende des Kriegs durch das Stufensystem ersetzt, -welches eine stets an den wissenschaftlichen Fortschritt gebundene -Bewertung der Kompetenzen ermöglichte. Akademisch sind beide Zweige -weiterhin vorhanden. Jedoch unterscheidet sich der Stoff kaum, weswegen -sich, mit der Ausnahme von einigen Reichen mit einer Allergie gegen arme -Menschen, keiner für den teuren Weg entscheidet und kaum noch eine -Universität diesen anbietet. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der -Zusatz <em>für Klein-und Mitteldrachen</em> weggelassen. -Nichtsdestotrotz hätte ich besser aufpassen müssen. Ich war enttäuscht -von meiner Dummheit, die mir eine handvoll Zeit kostete.</p> -<p>Meine Kleidung unter der Rüstung war durchnässt vom Schweiß und ich -konnte nicht mehr klar denken. Wieder beschuldigte ich mich selber für -die Wahl meiner Kleidung. Der richtige Raum war nicht viel größer und -zum Glück nicht allzu weniger leer. Wenigstens konnte ich mich auf eine -bequeme Bank hinsetzen, nachdem ich einem Mitarbeiter die Skripte -überreichte und im Gegenzug ein Los mit der Zahl dreizehn erhielt.<br /> -»Du, langsam habe ich keine Geduld mehr. Bei den Brüdern hatte ich -keiner dieser nervigen Prozesse«, meckerte ein erschöpfter Bube, etwa in -meinem Alter, zu seinem etwas älteren Kollegen.<br /> -»Sag das doch nicht so laut, du Dummkopf«, flüsterte der Andere. Darüber -sollte man sich tatsächlich nicht in der Öffentlichkeit unterhalten. Die -Drachenbrüder Gemeinschaft ist eine kriminelle Organisationen, wenn -nicht sogar eine kleine Streitmacht, mit dem Ziel den Frieden zwischen -Drachen und Menschen zu etablieren. An sich teilte ich diesen Gedanken, -doch alle Verfechter dieser Harmonie mit Drachenattacken umzubringen, -erschien mir nicht sinnvoll. Auch wenn jede Menge offensichtliche Lügen -über sie verbreitet wurden, hielt ich immer einen großen Abstand zu -ihnen. Einzig und allein mein bester Freund, der erst vor kurzem einen -hohen Rang bei den Brüdern erhielt, war mein Draht zu ihnen. Beinahe -wäre unsere Freundschaft an seiner Entscheidung gebrochen. Wenn man sich -aber erstmal in diese Dunkelheit verirrte, konnte man es schwer hinaus -schaffen, weshalb die beiden sofort meinen Respekt gewannen.<br /> -»Dreizehn«, rief die Dame an der Theke. Das war meine Zahl. Es war mir -etwas unangenehm vor den zwei, die schon vor mir hier waren, aufgerufen -zu werden. Ich überlegte mir, ob ich mich bei ihnen entschuldigen oder -gar ihnen den Vortritt überlassen sollte. Letztendlich habe ich beschämt -versucht ihre Blicke zu ignorieren.<br /> -»So. Grüß Gott«, begrüßte sie mich oder auch nicht und überflog zunächst -die drei Skripte, die eigentlich für jeden Bewerber hier gleich sein -sollten, doch mit Sicherheit hatte eine Überprüfung gute Gründe. Im -Grunde zählten die Papiere nur die Voraussetzungen für die Anmeldung und -die notwendigen Beweise auf, geschmückt mit einigen ausführlichen -Wiederholungen, um juristischen Fallen auszuweichen.<br /> -»Dürfte ich Sie bitten mir Ihr Zeugnis vorzulegen?«, fragte sie mich -nett. Meine Dokumente waren zum Glück in Ordnung. Die paar Taler mehr -für die wasserfaste Glasur in der Feendruckerei scheinen sich gelohnt zu -haben. Ich legte direkt alle vor, sodass sie sich nacheinander das -nötige selber nehmen konnte.<br /> -»Bitte erstmal nur das Zeugnis«, sagte sie. Die beiden Ex-Drachenbrüder -da hinten kicherten. Beschämt nahm ich alle zunächst irrelevanten -Dokumente zurück.<br /> -»Die korrekte Bewertung für meine Tempomathematik Leistungen steht am -Ende des Briefs der Prüfungskommission. Da wurde ein Fehler erst nach -der Zeugnisvergabe gefunden«, erklärte ich als sie beim Anblick meines -Zeugnisses für die dreistufige Heilkunst verwirrt grübelte.<br /> -»Aha. Ja, das macht Sinn«, sagte sie, ehe sie am Ende des Briefs -angekommen wieder eine Hürde bemerkte, die ich ebenfalls erwartet -habe.<br /> -»Es tut mir leid, aber wir haben hier ein Problem. Sehen Sie?«, fragte -sie mich und zeigte auf das Datum im Stempel, welches nicht mit dem oben -in der Kopfzeile vermerkten Datum übereinstimmte.<br /> -»Das habe ich sogar in der Universität angemerkt als ich den Brief -erhalten habe und sie hatten mir versichert, dass dies kein Problem -sei«, antwortete ich schnell.<br /> -»Sicher wird sowas hier und da mal übersehen. Aber ich kann das leider -nicht durchgehen lassen. Wir sind ja hier keine kriminelle Bande«, -merkte sie lachend an und schielte dabei zu den beiden Jungs -hinten.<br /> -»Wir können es so machen. Ihre Universität ist ja gleich nebenan. Ich -schreibe kurz einen Brief, den sie am besten jetzt direkt dort abgeben -und sobald sie die Korrektur mit einem validen Datum erhalten haben, -können Sie sich wieder hier melden«, schlug sie vor und schaute auch -dabei nicht mir in die Augen, sondern erneut zu den ehemaligen -Drachenbrüdern. Ich nickte schweigend, weil ich nicht anders wusste. -Musste ich unbedingt das Opfer in diesem idiotischen Kräftemessen sein? -Sie verschwand in ein Hinterzimmer und wieder vergingen sinnlose -Minuten. Mir waren die Gründe für diese absurd ineffiziente Prozesse -durchaus bewusst. Gerade in einer solch lebendigen Umgebung wie -Franzreich konnte man nicht auf einfache Wege ausweichen. Doch langsam -fühlte ich mich veräppelt. Ich war mir hunderprozentig sicher, dass -dieses doofe Datum ohne die Anwesenheiten der beiden Jungs kein -Stolperstein gewesen wäre. Eine Weile später kam die Frau zurück mit -einem entsetzten Blick.<br /> -»Es tut mir leid. Wirklich, es tut mir vom Herzen leid. Wir haben keinen -Feenstaub mehr. Könnten Sie sich bitte noch ein wenig gedulden bis der -Nachschub kommt?«, fragte sie. Ich sammelte verstummt meine Dokumente -ein, wartete eine ganze Stunde und erst nachdem die beiden Knaben nach -einer hitzigen Diskussion wütend den Raum verließen, bekam ich den Brief -zu Händen. Ich stampfte raus und gewährte keiner Entschuldigung Zutritt. -Wie ich die Universität nun erreichen sollte, war mir nicht bewusst. Ich -musste mir das Geschehen erstmal mit den eigenen Augen ansehen.</p> -<p>Der Rauchqualm, der warme Regen und die zahlreichen blutigen -Körperteile auf der ganzen Straße verteilt ekelten mich an. Draußen -hatte sich die Lage überhaupt nicht beruhigt. Im Gegenteil, der Weg zur -anderen Straßenseite musste zusätzlich mit Gitter abgesperrt werden. -Unsere beliebte kompetente Stadtaufsicht hatte keine Kontrolle mehr. -Gewalt war die letzte und wie immer die einzige Option. Langsam -entwickelte sich eine primitive Schlacht auf engsten Raum. Spitze Pfeile -und aus Dreck geformten Bälle flogen in alle Richtungen. Schwerter -schlitzten Arme und Beine auf. Blut bekleckerte die weißen Kleider. Dies -geschah nicht zum ersten Mal und Mitleid hatte ich für keinen dieser -Sturrköpfe, ganz egal ob sie nun weiße Mäntel oder graue Helme trugen. -Sie alle versuchten die Verlierer und Opfer dieser Schlachten zu sein, -um ihre Richtigkeit zu stärken. Mutig und erbärmlich waren diese -Parteien. Nichtsdestotrotz grenzte diese Auseinandersetzung diesmal in -ihrem Ausmaß an einem Bürgerkrieg. Geduldig wartete ich ab bis sich eine -winzige Lücke ergab. Ich klaute mir den großen Schild einer gefallenen -Aufsichtsperson und meine Rüstung hatte ich bereits an. Langsam, sicher -und nicht allzu auffällig stoß ich mich vor. Einfach war es auf keinster -Weise. Ich hatte keine Kampferfahrungen. Meine Verzweiflung führte mich -zu diesem dummen Weg und zurück konnte ich nicht mehr. Manche -geschwächte Körper schubste ich weg und hier und da war eine Faust -notwendig. Als schließlich ein hochrangiger Kommandant meine -Verteidigung mit einer großen Axt durchbrach, spürte ich im nächsten -Moment einen Schlag mit einer Keule auf meinen Hinterkopf. Der -Angreifer, von der Stimmung angesteckt, schlug weiter auf mich bis er -eine neue Beute fand. Am Boden liegend sah ich sowohl die Demonstranten, -als auch die Aufsicht, über mir. Ich sah die Erinnerungen meines kurzen -Lebens und meinen hartnäckigen Weg zu meinem Traum vor mir. Was niemand -kommen sah war das Wildtier mit dem gefürchteten Horn. Gefühlt platzten -in einem einzigen Augenblick eine handvoll blutgefüllte Ballons auf. Ein -seltener Drache, der aufgrund seines Gewichts, nicht fliegen konnte, -stürmte auf die Straßen, stoß dutzende Männer und Frauen weg und -durchschlitzte meine linke Schulter mit seiner spitzen silbernen -Jagdwaffe auf der Schnautze. Die Silberspitzbestie zog mich mit zurück -zum Eingang der Arbeitsverwaltungsstelle und bewahrte mich vor meinen -fast sicheren Tod. Das Adrenalin verdrängte meinen Schmerz als ich -zusehen musste wie weitere Drachen, die wir nur aus Bücher kannten, alle -Hindernisse durchmätzelten. Diese Überraschung zwang die dummen Menschen -zur temporären Beilegung ihrer Konflikte. Sie trugen nun alle rot und -gemeinsam konnten sie der doch kleinen Gruppe an Drachen jede Menge -Schaden anrichten. Die Silberspitzbestie fiel zu Boden und blutete aus -den großen gelben Augen. Ich befreite mich aus der Spitze und beschützte -als Schwächlich naiv das Tier vor weiteren Angriffen. Aus dem nichts -umrahmten uns einige Rauchbomben. Tatöwierte schwarzgekleidete Soldaten -stürmten das Schlachtfeld. Dass die Drachenbrüder hinter diesem Angriff -standen, sollte keine Überraschung sein. Sie ermöglichten mir und der -Bestie die Flucht.</p> -<p>Unabhängig von unseren politschen Differenzen, half ich ihnen das -große Tier in das Foyer der ersten Etage zu schleppen. Vor Angst -zappelte es unaufhaltbar rum. Die Bürger liefen panisch weg. Einer der -tatöwierten Krieger nahm eine Flasche mit einer blauen Flüssigkeit aus -der Tasche und ohne groß zu überlegen warf ich ihm diese aus der Hand -weg.<br /> -»Bist du verrückt? Daran würde jeder Drache sterben. Das weiß man doch«, -schimpfte ich, bevor ein weiterer Drachenbruder mich auf den Boden warf -und anschließend meine blutende Schulter genauer anschaute.<br /> -»Das ist für dich, du Schlaumeier«, lachte mich eine bekannte Stimme -aus. Mein bester Freund, versteckt hinter der Maske, die einen -Drachenbruder-General kennzeichnet, schüttete mir ein paar Tropfen von -einer weiteren Flasche mit Himmelfeuersaft in den Mund. Dieser Trank -wurde aufgrund der extremen Suchtgefahr in allen Kreisen der Welt -gebannt, doch in kriegerischen Zeiten galt es als eine Geheimwaffe der -Menschen gegen die Drachen. In wenigen Sekunden war mein Körper betäubt -durch den Trank, der einen Drachen zum Tode erhitzen konnte.<br /> -»Während du hier operiert wirst, kannst du uns ja mit deinen -<em>akademisch anerkannten</em> Heilkünsten beraten wie wir unseren -großen Feund retten«, schlug der General vor. Zwei der drei Brüder, die -sich um meine Schulter kümmerten, waren ausgerechnet die beiden Knaben -bei der Anmeldung vorhin. In meinem Zustand hatte ich nicht wirklich -eine Entscheidungsfreiheit. Mein bester Freund und seine Kollegen waren -nicht dumm, sogar überaus kompetent mit mehr Praxiserfahrungen als ich. -Dennoch respektierten sie mein Wissen genug, um meine Anweisungen ohne -Wiederworte zu befolgen. Gemeinsam stoppten wir die Blutung. -Nichtsdestotrotz bedarf es sicherheitshalber die dritte Heilstufe, um -der Silberspitzbestie eine gesunde Zukunft zu verschaffen. Hierfür -brauchte ich meine eigene Hände, um schnellstmöglich meine Gedankenzüge -verstehen und umsetzen zu können. Wir warteten eine kurze Zeit, in der -die Wirkung des Saftes nachließ und die Brüder mir keine Chance gaben, -mich von den Auseinandersetzungen mit den Mitarbeitern der -Arbeitsverwaltungsstelle, ablenken zu lassen. Meine Nervösität ließ mich -zittern als es soweit war. Zum ersten Mal wand ich die dritte Heilstufe -an einem lebendigen Lebewesen an. Das schwache Schnaufen des Drachens -und die gelben Augen, die in meinen Augen nach einer gesunden Zukunft -sehnten, gaben mir die notwendige Mut. Mit Bedacht und höchster -Konzentration bearbeitete ich die Augenlider mit Messern, die nicht für -diese Anwendung ausgerichtet waren. Ob die Verfechter der Drachen für -einen kurzen Moment Empathie für diese Kreatur lernten oder durch die -Freunde der Drachen verstummt wurden, wusste ich nicht. Jedenfalls war -es ruhig im Saal. Nur das Schnaufen des Tiers und die partikelgenauen -Messerstiche warfen abwechselnd einen Schall hin und her bis die Bestie -in einen tiefen Schlaf fiel. Die Akademie hatte mich nicht auf die -Emotionen vorbereitet, die ich empfand als am nächsten Morgen nach einer -teilweise schlaflosen Nacht die große raue Zunge der Silberspitzbestie -mein Gesicht liebevoll abschleckte. Ein Mitglied der Gilde für -Heilkünstler war ich nicht. Aber mit dem Wissen und den Kenntnissen, die -meine Meister und Vorbilder mir lehrten, rettete ich ein Leben. Auch die -Brüder teilten das Glück mit mir und zunächst boten sie mir eine -Goldbelohnung an, das ich ablehnte. Wenn auch mit Sicherheit mein bester -Freund sich diese Entscheidung erhoffte und mich dazu trieb, bin ich -eigenwillig am ersten Tag des modernen Franzreicher Bürgerkriegs, einen -Tag nachdem ich einer Kreatur Leben gab, die daraufhin im nächsten Jahr -tausenden Menschen das Leben nahm, zu einem Heilkünstler für Drachen bei -den Drachenbrüder geworden. Auch meine loyalsten Zellen bezweifeln -nicht, dass ich damit meine moralischen Idealen hinterging. Ich habe -mich aber nicht in die Dunkelheit verirrt. Nein, ich bin aus dem -Labyrinth ausgebrochen.</p> -</div> - - </main> - <footer> - Vithuran Vishnuthas © 2022 - 2023 - </footer> - - -</body> - -</html> |
