1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
|
<!DOCTYPE html>
<html lang="en">
<head>
<title>Das schweigende Spiegelbild - Vithuran Vishnuthas</title>
<meta charset="UTF-8">
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1">
<link rel="stylesheet" href="/style.css">
<link rel="icon" href="data:,">
</head>
<body>
<header>
<u><a href="/index.html"><h1>Writer V2</h1></a></u>
Vithuran Vishnuthas
</header>
<nav>
<a href="/index.html">Home</a>
<a href="/stories.html">Stories</a>
</nav>
<main>
<h2>Das schweigende Spiegelbild</h2>
<a class="download-button" href="das_schweigende_spiegelbild.pdf" download>Download PDF</a>
<p class="story-text"><p>Er stoß die Tür zu, stampfte wütend die knirschende Holztreppe runter
und in seinem kleinen Keller angekommen starrte er mich an. Die frischen
Blutflecken auf seinem weißen Anzug verstummten mich. Auf seinem blassen
vertrockneten Gesicht flossen die Tränen ununterbrochen in Bahnen
runter, nachdem der Weg jahrelang blockiert gewesen war. Hinter seinen
Augenringen konnte man die normalerweise großen schwarzen Pupillen kaum
noch erkennen. Ich sah aber genug, um den Hilfeschrei zu hören. Er trat
gegen den Trinkbrunnen, warf Möbeln um und schlug kräftig das
Kellerfenster zu, um den Lärm der wütenden Meute draußen auszuschalten.
Nun war es still, doch innerlich war es ihm immer noch zu laut. Flammen
loderten in ihm. Er pustete nur einmal das Scheitholz im Kamin an,
rückte seinen roten Sessel zu mir und versuchte sich zu entspannen mit
dem warmen Duft der Birke in der Nase. Auch das aggressive Klopfen an
der Wohnungstür oben versuchte er zu ignorieren. Er zwang seine
Mundwinkel zu einem Lächeln hoch.<br />
»Du bist noch da für mich, oder?«, fragte er mich. Ob ich für ihn noch
da bin? Ich wusste das nicht. Was er mit unserer wundervollen schwarzen
Katze angerichtet hat, war ein Grund wert ihn endgültig abzustoßen. Ich
musste kein Wort sagen, um ihn meine Gefühlslage verstehen zu lassen.
Sogar seine Hände hassten ihn. Diese langfingrigen Bestien zogen an
seinen grauen Haaren so lange bis sie einen Haarschopf herausreißen
konnten. Anschließend zerkratzten sie ihm die Augen bis er nur noch Blut
weinte. Trotzdem grinste er weiter.<br />
»Du solltest öfter lächeln«, sagte man ihm ständig. Nur die Katze und
ich wussten wie schwer ihm die Suche nach einem ehrlichen Lächeln fiel.
Ich fragte mich, ob die Katze ihm an meiner Stelle vergeben hätte. Er
schüttelte den Kopf.<br />
»Kannst du mich an ihrer Stelle schlagen?«, fragte er mich. Es stand ihm
ins Gesicht geschrieben, dass sein Durst nach Schmerzen nicht gestillt
war. Ich konnte ihm nichts anrichten. Er fing an zu zittern und
plötzlich schlug er sich selber zusammen als würden diese Hände wem
anders gehören. So habe ich mir das Ende nicht vorgestellt. Ich wurde
vor Wut rot.<br />
»Mach doch etwas! Bring mich endlich um!«, schrie er mich an. Nein, ich
wollte ihn aufhalten. Was sollte ich tun? Ehe ich reagieren konnte, trat
er auf mich ein. Ich konnte mich nicht wehren. Ich dachte an seine
Freunde und seine Familie. Sie wussten nichts vom Monster, welches er in
sich versteckt hielt. Ich musste ihn aufhalten, um den Stich ins Herz
der Menschen, die wir beide liebten, zu verhindern. Doch auch als er
schließlich mit einer Scherbe des kaputten Spiegels seine Kehle
aufschlitzte, habe ich beschämend geschwiegen.<br />
</p>
</p>
</main>
<footer>
Vithuran Vishnuthas © 2022 - 2023
</footer>
</body>
</html>
|